Der Filter

Die Welt der Technologie und der Medien

Ueber die Einzelheiten dieses odiosen Capitels liessen sich Folianten schreiben und doch würde das Thema noch noch erschöpft werden, denn es gehört eben zu den Unbegreiflichkeiten, mit denen leider gerade unsere Branche überreich ist. 

In anderen Industrien kommen wohl auch bei Lieferungs-Ausschreibungen Preisunterschiede von 5 – 10 Percent vor, aber bei uns geht es damit ins Ungeheuerliche. Zwischen 25, 40, 50, ja 66 2/3 Percent schwanken die Anbote! In welchem Lichte muss da die ehrwürdige Buchdruckerkunst stehen? Was soll das Publicum von uns Buchdruckern als Geschäftsmännern denken! Den Ursachen nachzuforschen, warum es so und nicht anders, d. h. besser ist, würde vergebene Mühe sein. Es gehört einmal zu den charakteristischen Kennzeichen unseres Geschäftsbetriebes, dass Jeder eine andere Basis zu seinen Calculationen annimmt; die Meisten machen es sich noch bequemer, indem sie gar keine Basis haben. Sie calculiren einfach, wenn es der X schon um diesen Preis macht, warum sollte ich nicht noch um so und so viel Percente billiger sein können. In Berlin hat man es mit Feststellung eines Normal-Kundentarifs versucht; wir glauben aber, dass damit der Schleuderei und Schmutzconcurrenz erst recht Thor und Thüre geöffnet worden ist. 

Für heute wollen wir uns nicht mit Betrachtungen und Rathschlägen befassen, sondern wieder einmal ein Factum vorführen: 

Eine Druckerei in der Nähe Wiens an der Westbahn gelegen sendet uns einen illustrirten Preiscourant 16 Großctav-Columnen stark, gemischten Tabellen- und Ziffernsatz, zur Berechnung ein. Wir calculiren, mässig gerechnet, den Satz mit fl. 25-30, Papier wegen des aussergewöhnlich grossen Formates fl. 15, Zurichtung und Druck per Tausend zwei Formen fl. 10, Broschiren fl. 3, so dass ein Preis von fl. 60 für das erste und fl. 30 für das zweite 1000 Exemplare ein gewiss mässiger gewesen wäre. Eine Wiener Firma hatte fl. 100 für das erste 1000 Exemplare verlangt. Der Provinz-College war also schon um ca. 40 Percent billiger. Sein Concurrent ging aber nochmals um beinahe 50 Percent herunter; denn er lieferte das erste 1000 Exemplare um fl. 31, das zweite um fl. 19.

Wo bleibt da die Calculationsbasis und der gesunde Menschenverstand?

Aus: Österreichisch-ungarische Buchdrucker-Zeitung,  Nr. 12 vom 25. März 1886

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App-Empfehlung: Bloom – Kreative Musikmaschine

Musik des 21. Jahrhunderts? Um 3,59 € habe ich die App „Bloom“ von Opal Limited gekauft. Es handelt sich dabei um einen Musik-Generator, der „Ambient Music“ – sphärische Hintergrundmusik – erzeugen kann. Die Melodien werden dabei – je nach eingestelltem Modus – durch Zufall erzeugt oder vom Benutzer durch Tippen auf den Bildschirm vorgegeben. Das Ergebnis ist überraschend gut: Es entstehen harmonische Sphärenklänge, die in den verschiedensten Stimmungslagen gut funktionieren. […]

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