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Das Untige, Teil 2: Kühn, Kinders und der Elt

 

Die Kühn. (Foto: Der Elt)

Ich habe wieder einmal nachgedacht und das Untige geschrieben:

Jede Sprache ist bekanntlich andauernd im Wandel und ich denke: Es tut uns immer gut, wenn wir offen sind für Neuerungen, Abwandlungen und Experimente.

So hat vor vielen Jahren unsere Tochter einmal mehrere Kühe als „Kühn“ bezeichnet. Die Mehrzahlbildung mit den angeschlossenen „n“ war für sie von anderen Beispielen bekannt, also waren auch die „Kühn“ für sie eine logische Sache.

Das hat uns als Eltern natürlich dazu gebracht, über einige alltägliche Wörter etwas weiter nachzudenken. Und konsequenterweise nannten wir uns dann, wenn wir einmal alleine unterwegs waren, nur mehr „Elt“. Ein „Elt“ ist also eine nicht ganz ernst gemeinte fiktive Einzahl des Mehrzahlwortes „Eltern“. Die übliche Einzahlform „Elternteil“ ist ja wohl mehr als fad und nicht mehr zeitgemäß, meinten wir.

Und damit war der Weg frei zu einer weiteren Wortschöpfung: Unsere Kinder waren fortan die „Kinders“. Hier handelt es sich technisch gesehen wohl um einen Pleonasmus: Das ist eine rhetorische Figur, die die notwendige Informationen im Überfluss bereitstellt. Die Mehrzahl von „Kind“ wir normalerweise als „Kinder“ bezeichnet, ein zusätzliches „s“, das ebenfalls eine Mehrzahlform zeigt, ist überflüssig, grammatikalisch zunächst falsch und bestenfalls unterhaltsam.

Für uns jedoch war die Bezeichnung der „Kinder“ als „Kinders“ so etwas wie eine identitätsstiftende Maßnahme: Keine andere Familie hatte die „Kinders“, alle anderen hatten nur einfache „Kinder“.

Was sollen uns alle diese haarsträubenden Beispiele bringen?

Wer mir bis hierher gefolgt ist, dem ist klar, dass die gezeigten Beispiele aufgrund der Redundanz der Sprache durchaus verständlich, aber eben unüblich sind. Letztendlich sind Bezeichnungen für Begriffe immer willkürlich, das einzige Maß ist die Verständlichkeit. Sprache dient immer zuerst der Kommunikation zwischen Menschen. Und Sprache darf, ja muss, sich verändern, weil auch unsere Kommunikationsbedürfnisse sich laufend verändern.

Deshalb sind wir geradezu gefordert, als Elt auch mit den Kinders zu reden, ob sie immer noch Kühn auf der Wiese sehen.

PS: Für Fans von „Lord of the Rings“ ist ein Elt ja wahrscheinlich nichts anderes als ein entfernter Verwandter des Ents, eines sprechenden Baumwesens, das in der fiktiven Welt Mittelerde von J. R. R. Tolkien zu Hause ist.

Zum ersten Teil von „Das Untige“

Kategorien:Glosse, Leben, Unterhaltung

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