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Inspektor Sklensky: Mord an der Graphischen, Teil 5: In der Nacht

Im Zeitungsexpedit (Foto: Christian Handler)

Das ist der fünfte Teil der Skensky-Geschichte: Mord an der Graphischen hier geht es zum ersten Teil: Morgengrauen.

Kapitel 4: In der Nacht

Mittwoch Nacht

Sklensky fasst die aktuelle Situation für sich wieder einmal zusammen: Wegen eines vagen Verdachts, nachdem ihm ein Verdächtiger an der Graphischen entwischt ist, fährt er gerade wie ein Wilder knapp nach Mitternacht erneut zur Zeitungsdruckerei Morgenblatt. Er glaubt, dass der Täter hier seine nächste Aktion plant, möglicherweise mit einer schmutzigen radioaktiven Bombe.

Vom Aufenthalt in der Kanalisation stinkt Sklensky noch kräftig, aber zumindest sind seine Kleider schon einigermaßen trocken.

Während der Fahrt überlegt sich Sklensky, wer ihn darstellen könnte, wenn sein Leben einmal verfilmt wird. Josef Hader wäre fast perfekt, denkt er, aber der ist wahrscheinlich schon zu alt. Thomas Stipsits wäre auch gut, denkt er, oder Manuel Rubey. Beide sind für die Rolle möglicherweise noch ein bisschen jung, aber bis Sklenskys Lebensgeschichte verfilmt wird, werden wohl auch noch ein paar Jahre vergehen, überlegt der Inspektor.

Mittlerweile ist er bei der Zeitungsdruckerei angekommen. Dort stehen die Außentüren sperrangelweit offen. Es ist ja fast Sommer. Sklensky geht hinein.

Im Schatten etwas weiter weg vom Eingang erweckt ein kleiner Computer mit einem 14-Zoll-Bildschirm seine Aufmerksamkeit. Am Bildschirm laufen geometrische Muster. Er streift die Plastikhandschuhe über und drückt auf eine Taste. Der Bildschirmschoner unterbricht seine Arbeit und ein Feld zur Kennworteingabe wird angezeigt. Sklensky öffnet die Schreibtischlade unter dem Computer, blickt auf das Post-it: 1701 lautet der Zahlencode. Er gibt das Kennwort ein. Alle Sicherheitsmaßnahmen in Produktionsbetrieben sind gleich schlecht, denkt er sich, das war ja fast zu leicht.

Am Bildschirm erscheint nun ein Browser mit der Betriebsdatenerfassung. Sklensky gähnt und geht weiter, zur nächsten Tür, die nun den Eingang wirklich verwehrt.

Neben der Tür befindet sich ein Zahlenschloss. Auch hier funktioniert der Zahlencode. Sklenksy öffnet die Türe und betritt eine Produktionshalle. Hier ist noch nichts los, doch Sklensky hört in der Nebenhalle bereits Geräusche. Die Zeitungsproduktion von Morgenblatt ist anscheinend schon angelaufen und die ersten Exemplare werden vom Expedit bereits zum Versand fertig gestellt.

Dann hört er aus dem anderen, dunklen Teil der Halle, in der er sich jetzt befindet, ein Geräusch. Ein Mobiltelefon hat eine Nachricht empfangen. Er hebt die Dienstpistole und ruft: „Stehenbleiben, Polizei!“.

Die Antwort ist eindeutig. Ein Schuss aus einer Pistole zischt an Sklensky vorbei.„Wieso haben solche Leute immer eine Waffe dabei? Geht das in Österreich so leicht?“, denkt sich Sklensky, während er sich duckt und seinerseits einen Warnschuss abgibt.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Aus der Nebenhalle tauchen überall Leute auf. Durch die Schüsse ist offensichtlich eine Panik ausgebrochen und alle versuchen, aus der Druckerei zu fliehen.

„Ihr kriegt mich nie!“, hört er von oben eine Stimme schreien „Ich bring Euch alle hier um!“ Ein weiterer Schuss kracht im Gebäude.

„Bitte bleiben Sie ruhig und verlassen Sie sofort das Gebäude“, versucht Sklensky die Arbeiter zu beruhigen. Er zeigt seine Dienstmarke. „Die Polizei ist schon da. Bitte verlassen Sie das Gebäude.“

Er ist fast überrascht, dass alle sofort seinen Aufforderungen folgen. Er überprüft die Lage. Rund zwanzig Expeditarbeiterinnen und -arbeiter stehen nun unsicher vor ihm. Zumindest sind alle vorläufig in Sicherheit, denkt Sklensky. „Bitte prüfen Sie, ob alle mit herausgekommen sind.“

„Der Freddy fehlt!“, schreit jemand.

Möglicherweise hat der Typ doch eine Geisel genommen, denkt Sklensky. Er beschließt, Unterstützung anzufordern und bittet die Wega, die Sondereinheit der Landespolizeidirektion Wien, telefonisch um Hilfe.

Schon wenige Minuten später nähern sich ein paar Autos der Druckerei. Direkt vor Sklensky wächst unvermittelt ein blonder Wega-Offizier aus dem Boden. Die Wega ist Wiens Spezialeinheit, wenn es um Geiselnahme, verbarrikadierte Personen oder risikoreiche Verhaftungen geht. Die Leute von der Wega sind gut ausgebildet, denkt sich Sklensky, denn im Vergleich zu diesem Spezialisten wirkt Major David Tom direkt untersetzt.

„Sind Sie der leitende Offizier hier?“, fragt der Wega-Mann.

„Irgendwie kann man das wohl sagen. Sie waren aber schnell da.“, meint Sklensky.

„Wir haben immer ein paar Zweierteams in der Gegend auf Streife, Herr Kollege. Aber mit Verlaub, Herr Kollege,“ sagt der Beamte, „Achten Sie auf Ihren Körpergeruch. Wir sind hier nicht in der U6.“

Sklensky blickt an sich herab. Sein Ausflug in die Wiener Kanalisation hat Spuren hinterlassen, obwohl schon alles getrocknet ist, stinkt er anscheinend immer noch so, als hätte er wochenlang nicht geduscht.

„Ich war gerade im Kanal im Einsatz“, lächelt er. Dann erläutert er die Lage, den Schuss des Verdächtigen und seine Befürchtung, dass es zu einer Geiselnahme gekommen ist.

Der Offizier nickt und beginnt, mit Händen und Kopfbewegungen seine Leute durch die Gegend zu scheuchen. Sklensky kann sich eine Frage nicht verkneifen: „Können Ihre Leute nicht sprechen?“, meint er. Nach einem verächtlichen Blick lässt er weitere zynische Bemerkungen. Er und der Wega-Offizier werden heute wohl keine Freunde mehr, das ist ihm jetzt schon klar.

Danach geht alles sehr schnell. Die Wega stürmt das Gebäude und nimmt den Verdächtigen fest. Von außen bemerkt man kaum etwas vom Zugriff, kein Schuss fällt, doch wenige Minuten später sind die Beamten schon wieder da und bauen sich mit einem Verhafteten vor Sklenksy auf.

Der Mann, der da jetzt in Handschellen vor ihm steht, ist eher klein, mit blonden Haaren, er wirkt sehr leger in seinem offenen bunten Hemd. Er ist eher breit, wohlgenährt und um den Hals trägt er ein Goldketterl. Der ist wohl einfach gestrickt, denkt sich Sklensky. Das soll der Typ aus dem Keller der Graphischen sein, der chemische Spezialist?, fragt sich Sklensky. Er wundert sich selbst über sein Gedächtnis. Er hat den Mann von der Graphischen größer und mit dunklen Haaren in Erinnerung. Aber vielleicht hat der ja mit einer Perücke gearbeitet oder Sklenskys Blick war durch die Scheibe getrübt.

Ein Vorarbeiter der Druckerei läuft herbei und erklärt, dass die fehlende Person aus dem Expedit  – „der Freddy“ – wieder aufgetaucht ist. „Der Freddy war nur eine rauchen, er ist schon wieder da.“, sagt er beschwichtigend.

Nun kommt, was wohl kommen musste, denkt sich Sklensky. Der Wega-Mann baut sich vor ihm auf: „Das können wir bestätigen. Es gab keine Geiselnahme, da hätten Sie besser ermitteln können, Herr Kollege. Ich bin der Ansicht, diese einfache Situation hätten sie alleine regeln können. Da hätte es diesen aufwändigen Einsatz nicht benötigt.“ „Das wird wohl so sein.“, sagt Sklensky und lächelt müde.

Mittlerweile sind einige Streifenwagen eingetroffen und auch ein Rettungswagen. Die Beamten kümmern sich um die verschreckten Arbeiter und beginnen mit den Ermittlungen. Auch die Spusi ist schon da und tut ihre Arbeit, sie sichert Spuren. Alles hat seinen gewohnten Lauf genommen. Die Kollegen von der Wega führen den verhafteten Blonden ab.

„Man wird Sie bei Gelegenheit informieren, was bei der Einvernahme herausgekommen ist.“, sagt der Wega-Mann abschließend zu Sklensky, bevor er ohne Gruß geht.

„Danke für die Hilfe, ist schon gut!“, sagt Sklensky, obwohl ihn niemand mehr hören kann. Dann geht er auch.

Ein Traum

Es ist schon spät nach Mitternacht, als Sklensky nach Hause kommt. Er duscht, um den Geruch des Kanals loszuwerden  und fällt danach sofort ins Bett.

Er schläft sofort ein, aber im Traum schleicht er nochmals durch die Bibliothek der Graphischen. Hinter ihm spürt er einen Schatten. Er steigt hinunter, in die Kanalisation und noch tiefer. Im Traum befinden sich anscheinend viele hundert Meter unter der Graphischen viele tausend Kellerabteile mit irgendwelchen alten Gerätschaften aus Druckereien aus früheren Jahrhunderten.

Sklensky steigt im Traum durch die Kellerabteile unter der Schule weiter in die Vergangenheit der Druckbranche hinunter und steht schließlich dem Urvater der Drucker gegenüber, Johannes Gensfleisch Gutenberg.

Der spricht aber kein Wort mit Sklensky, sondern gestikuliert nur wild, so wie der Offizier von der Wega. Sklensky versucht verzweifelt, die Botschaften zu interpretieren, doch es gelingt ihm einfach nicht.

Dann taucht Manuel Rubey vor ihm auf und singt ein altes Lied: „Dieser Tag fährt Straßenbahn.“

Sklensky läuft währenddessen einer Straßenbahn hinterher, doch die ist immer ein wenig zu schnell; und bei jeder Station fährt sie Sklensky wieder davon. Sklensky ist immer zu spät.

Dann ist er wieder im Keller der Graphischen, diesmal noch weiter unten. Hier lagern ägyptische Grabbeigaben. Der Bibliothekar von der Graphischen erscheint vor Sklensky und zeigt ihm einen Stein, der dem Stein von Rosetta täuschend ähnlich sieht. Er sagt: „Wussten Sie Sklensky, dass alles miteinander verbunden ist? Wenn Sie auf der Wendeltreppe nach oben gehen, dann geht jemand anderer auf einer anderen Wendeltreppe nach unten.“

Danach sieht der Inspektor einen Steinzeitmensch, möglicherweise einen Neandertaler. Der Steinzeitmensch steht vor einem Monolithen aus schwarzem Stein und ritzt etwas hinein. Sklensky versucht, zu dem Monolithen zu gelangen, aber er kann sich fast nicht bewegen. Er strengt sich an und gelangt ganz langsam in eine Position, in der er etwas auf dem Monolithen erkennen kann. Doch da steht einfach nur: „…aber ich trau mich nicht!“.

Das kenn ich doch, denkt Sklensky, als er aufwacht und sein Radiowecker in voller Lautstärke das Lied „Bologna“ von der Wiener Band Wanda spielt. Sklensky flucht, denn die Nacht war viel zu kurz. Dann springt er aus dem Bett.

Donnerstag Morgen

Gerade als Sklensky am nächsten Morgen seine Wohnung verlassen möchte, ruft Major Tom: „Na das war ja gestern was, Sklensky. Schlafen Sie sich einmal richtig aus. Sie haben ja schon einiges erreicht und wir verhören einmal den Täter, pardon: den Tatverdächtigen.“

„Aber ich habe was gefunden an der Graphischen.“, sagt Sklensky und versucht, dem Major seine Ermittlungen begreiflich zu machen. „Nein, nein, nein, Sklensky.“ sagt Tom, „Dort wird jetzt sicher nicht ermittelt, wir müssen Sie jetzt ein bisschen schützen.“

Er fährt fort: „Die Wega hat Beschwerde gegen Sie eingelegt, Sklensky, weil Ihr Vorgehen gestern abend angeblich viel zu übertrieben war. Die Zeitungsdruckerei überlegt eine Amtshaftungsklage, weil natürlich der Expedit durch die Aktion behindert wurde und durch das Absperren einige Zeit nicht gearbeitet werden konnte. Die Bundesländerausgabe konnte nicht rechtzeitig geliefert werden. Der Schaden soll in die hunderttausende Euros gehen.“

Sklensky verzieht das Gesicht. Das hat ihm gerade noch gefehlt, denkt er sich.

Tom bemerkt die Pause und lacht spöttisch auf der anderen Seite der Leitung. „Das werden wir schon checken, Sklensky. Wir intervenieren wie immer ziemlich weit oben. Aber am besten nehmen Sie sich heute und morgen mal frei, ich informiere Sie, wenn sich was ergibt oder ob wir aus dem Typen war rausgekriegt haben. Der Fall ist ja praktisch gelöst, wir haben unseren Verdächtigen und warten nur auf sein Geständnis.“

„Danke“, sagt Sklensky und legt auf. Dieser Tom geht ihm mittlerweile gewaltig auf die Nerven, denkt er sich. Erst unternimmt er nichts und dann tut er so, als würde er Sklensky das Leben retten und hätte selbst den Fall gelöst.

Der Inspektor summt ein altes Lied von Falco: „Er hat die Kraft und wir sind klein und dumm und dieser Frust macht uns stumm.“ Danach legt er sich noch einmal ins Bett.

Als Sklensky wieder aufwacht, ist es schon deutlich nach Mittag.

Nach einem kleinen Imbiss aus den Resten im Kühlschrank ruft Sklensky seinen alten Freund an, den Betriebsrat Robert Rath, mit dem er ja schon am letzten Tag herumgezogen ist. Es ist bereits früher Nachmittag.

„Was soll ich dir sagen, Hannes“, sagt Robert Rath, der Gewerkschaftler, „Mit dem 12-Stunden-Tag haben wir derzeit wirklich einiges zu tun. Treffen wir uns im Breitenseer Biergarten in der Huttengasse, das ist gleich ums Eck von der Graphischen, so um halb fünf.“

„Warum bis du eigentlich bei der Gewerkschaft?“, fragt Sklensky dann seinen Freund, den Betriebsrat, nachdem sie einen Schluck vom Piestinger Bräu getrunken haben.

„Weil ich geglaubt habe, dass das einen Sinn hat. Warum bist Du eigentlich bei der Polizei, Hannes?“

„Vielleicht, weil ich etwas Gutes für die Welt tun wollte. Oder weil ich früher geglaubt habe, dass das wirklich einen Sinn hat.“

„Das hab ich bei der Gewerkschaft früher auch geglaubt“, sinniert Robert Rath.

„Und heute nicht mehr?“, fragt ihn Sklensky.

Robert Rath denkt ein paar Sekunden nach: „Die Sache dahinter erscheint mir immer noch sinnvoll, glaube ich, aber die Organisation frustriert mich immer mehr. Früher waren wir immerhin die Gewerkschaft der ehrenwerten Drucker, die älteste von Österreich, aber seitdem die gpa die Druckergewerkschaft übernommen hat, ist alles hinuntergewirtschaftet worden. Jetzt regieren die Bürokraten, die Kompromisslosen und die Komplizierten. Und dann noch dieser riesige Apparat, der alles viel schwieriger macht, als es notwendig ist. Sie haben alle Angst, dass sie irgendetwas falsch machen und da machen sie lieber gar nichts. Und noch schlimmer: Sie lassen dich auch nichts machen.“

„So ist unsere ehrenwerte Weltrevolution irgendwann kleinweise gestorben. Und die, denen ich eigentlich helfen wollte, die haben es dann meistens gar nicht verdient, weil sie das System ausnützen. Und auf der anderen Seite sitzen meistens gar keine Ausbeuter, sondern Menschen, die genauso Ihre Probleme haben. Aber bei der Polizei ist das wohl nicht anders, oder Hannes?“

Jetzt verzieht Sklensky das Gesicht. „Ja eh“, sagt er. Er erzählt von seinem hoffnungsvollen Beginn und dem jetzigen Frust.

„Jeder Beruf ist anscheinend gleich“, fasst Robert Rath zusammen.

„Genau“, sagt Sklensky, „dann hätten wir das auch endlich einmal besprochen“.

Sie prosten einander zu, trinken aus und beschließen, das Lokal zu wechseln. Mit der U3 geht es in die Mariahilfer Straße. Es ist mittlerweile Abend geworden und die Gespräche werden tiefsinniger.

Sie trinken an der Bar im Shamrock in der Kirchengasse ein starkes wildes schottisches Craft-Bier und ziehen über Frauen und Politik her. „Das meinst du aber jetzt nicht ernst!“, fragt Robert Rath schließlich schmunzelnd, als Sklensky einen tiefen frauenfeindlichen Witz erzählt.

„Eine solche Übertreibung ist therapeutisch wichtig, sagt unser Psycho-Doktor immer.“, meint Sklensky. „Außerdem habe ich jetzt Hunger.“

„Gleich in der Nähe ist übrigens das Dots“, meint Robert Rath, „Das ist doch etwas für dich.“ Sklensky liebt nämlich Sushi und das Dots ist bekannt für ausgefallene Sushi.

Im Dots ist die Musik lauter. Man spielt Nachtflug von Falco, während Sie Cocktails – einen Porto Flip und einen Manhattan – und schräge Sushi ordern.

Nach dem Essen nehmen sie noch ein Glas Sake. Dann meint Robert Rath: „Nach dem Zeugs wär ein Whisky gut.“ „Aber bitte mit nur einem Tropfen Wasser“, meint Sklensky.

Sie ziehen also weiter in die Esterhazygasse im 6. Bezirk. Hier im Hotel Fürst Metternich ist eine der feinsten Whisky-Bars von Wien beheimatet. Als sie eintreffen, läuft als Hintergrundmusik kubanischer Jazz. Sie nicken einander zu, setzen sich und bestellen.

„Glaubst du eigentlich an ein Leben nach dem Tod?“, fragt Sklensky, nachdem Sie den Whisky vor sich stehen haben.

„Nein“, sagt Robert Rath knapp, „ich bin echter Atheist.“

„Aber was ist danach?“, fragt Sklensky, während er am Whisky nippt.

„Das Gleiche wie vor Deiner Geburt, Hannes. Nichts. Und dass du vor deinem Leben nicht gelebt hast, das hat dich damals auch nicht aufgeregt. Und wir werden auch uns an nichts erinnern können, weil wir nicht mehr da sind.“

„Genau“, sagt Sklensky nachdenklich, „deshalb ist es ja besonders wichtig, dass man etwas Sinnvolles in seinem Leben macht.“

„Das wollen die andern Dich aber nicht machen lassen, nicht wahr, Hannes?“ meint Rath.

„Exakt“, sagt Sklensky, „überall nur blöde Vorschriften. Und macht eine Soko Druckerei Sinn, wenn wir uns schon einen Haxn ausfreuen, wenn überhaupt einmal ein Fall am Horizont ist?“

„Die Branche ist einfach kleiner geworden“, sagt Robert Rath, „Ich sehe viele Kollegen von früher überhaupt nur mehr am Arbeitsamt in Flordisdorf.“

„Wieso in Floridsdorf?“, wundert sich Sklensky.

„Weil das AMS dort nämlich für die Drucker zuständig ist. Und den Berufsschutz haben sie uns auch aufgeweicht, jetzt müssen viele Arbeiten machen, für die sie schwer überqualifiziert sind.“

„Für Geld kann man auch mal was anderes machen als den erlernten Job.“, meint Sklensky.

„So geht das nicht, Herr Kollege“, tadelt ihn Rath. „Wo bleibt da die Menschenwürde. Egal, wohin gehen wir jetzt?“

Leicht unsicheren Schrittes verlassen sie die Bar und wandern weiter, den Gürtel entlang. Ein Lokal unter einem Stadtbahnbogen zieht sie dann an, mit dem Namen „Swiss Cottage“. „Das könnte jetzt auch in London liegen.“, sagt Robert Rath. „Ist das nicht der Namen einer U-Bahn-Station?“

Es ist bereits gegen 23 Uhr, als sie eintreten. Drinnen spielt man ein altes Lied Rita Mitsouko, einer alten französischen Band aus den Achtzigern: „Nuit d’Ivresse“.

Sie bestellen noch ein Glas Sekt. Plötzlich setzen sich zwei Frauen zu ihnen, die anscheinend heute noch dringend Umsatz benötigen. Sklensky und Rath sehen sich an, zahlen und verlassen schnell das Lokal.

Es geht per Taxi wieder zurück in den 14. Bezirk, in eine der legendären Schutzhütten. Es ist bereits weit nach Mitternacht und noch einige Obstler später, als sie schließlich wieder in ein Taxi steigen und nach Hause fahren. An den Namen der Schutzhütte kann sich Sklensky später nicht mehr erinnern.

Weiter zum letzten Teil…

Kategorien:Krimi

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