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Inspektor Sklensky: Mord an der Graphischen, Teil 1: Morgengrauen

Schreibtisch, Detail (Foto: Christian Handler)

Anmerkungen

Alle Personen und Handlungen dieser Geschichte sind natürlich nicht real. Ähnlichkeiten mit echten Personen sind rein zufällig. Die Konflikte zwischen den Abteilungen der Graphischen sind aus rein dramaturgischen Überlegungen massiv überhöht dargestellt worden. In Wirklichkeit herrscht abteilungsübergreifend hervorragende Zusammenarbeit und vorbildlich gute Stimmung.

Danksagungen

Danke an alle, die mich bei diesem Projekt unterstützt haben. Die Idee mit der schmutzigen Bombe verdanke ich meinem Kollegen an der Schule, Kurt Kölli.

Vielen Dank auch an Bernhard Honkisz, dessen Erfahrungen als Brandschutz- und Evakuierungsbeauftragter der Graphischen ich nahezu unverändert übernehmen konnte.

Kapitel 1: Morgengrauen

Dienstag früh

Inspektor Sklensky ist schlecht aufgelegt. Er ist sogar fuchsteufelswild. Gerade hat er mit seinem direkten Vorgesetzten, dem Ministerialrat Hosiner, gestritten.

Und der Ministerialrat hat ihn klar darauf hingewiesen, wo seine Grenzen sind.

„Auch Sie, Herr Sklensky“, hat Hosiner gesagt, „Auch Sie müssen sich an die Gesetze halten. Wann wir einmal nicht so genau sein brauchen, das bestimme immer noch ich das, nicht Sie!“. Nach dieser Machtdemonstration hat Hosiner auf den Tisch geschlagen und Sklenksy weggeschickt.

Das trifft Sklensky doppelt: Nicht nur, dass der Ministerialrat natürlich recht hat, weil die Gesetze nun mal so sind, wie sie sind, er hätte auch dann recht, wenn er nicht recht hätte, weil er ja Sklenskys Vorgesetzter ist. Sklensky hat also doppelt Grund für Ärger.

Natürlich, denkt sich Sklensky, sind meine Methoden unkonventionell. Ich verhöre ja selten jemand, ich verwickle die Personen nur in ein Gespräch, zunächst ohne jeden Hintergedanken. Meistens erzählen die Leute in einer solchen Situation wesentlich mehr als in einem echten Verhör. Ein echtes Verhör, das können die Kollegen nachher immer noch in aller Korrektheit durchführen. Sklensky ist stolz darauf, dass er mit dieser seiner Methode in vielen Fällen mehr erreicht hat als als die Kollegen mit ihren gesetzlich korrekten Methoden.

Und natürlich nimmt es Sklensky auch sonst mit den Vorschriften nicht ganz so ernst. Es kann schon mal passieren, dass bei ihm vom Tatort etwas mitkommt, was eigentlich in die Spurensicherung gehört.

In vielen Fällen, argumentiert der Inspektor für sich, hat Sklenskys untrüglicher Instinkt den richtigen Riecher bewiesen. Seine unkonventionellen Methoden haben letztendlich dazu geführt, dass die Ermittlungen erfolgreich waren.

Und deshalb ist es doppelt bitter, von seinem Vorgesetzten darauf hingewiesen zu werden, dass seine – Sklenskys – Methoden nicht immer korrekt und in Ordnung sein könnten. Seine Methoden dienen immer der Sache, nicht den Vorschriften. Die Vorschriften waren Sklensky schon immer egal.

So ist es auch zu erklären, dass Sklensky nach vielen Jahren im Polzeidienst wegen verschiedener Disziplinarverfahren – die Vorschriften – immer noch im Rang eines Inspektors ist.

Seine Vorgesetzten haben die Ermittlungserfolge leider nie so positiv gesehen wie der Inspektor. Und so ist es gekommen, dass Sklensky nun am unteren Ende der Nahrungskette im Innenministerium die relativ unnötige „Sonderkommission zur Ermittlung von Verbrechen in Druckereien“ leitet. Diese Soko ist sozusagen als Ausgedinge zu sehen, vermutet Sklensky. In anderen Ländern wird man bei solchen Verfehlungen hinausgeworfen, in Österreich erfindet man eine Sonderkommission.

Immerhin darf er hier öfter auch selbständig arbeiten. Meistens aber muss er jemand begleiten, der die Vorschriften einhält.

Endlich ein neuer Fall

Nun sitzt der Inspektor missmutig im Büro, denn er hat Hosiners schlechte Laune naturgemäß auf sich bezogen und hat jetzt selber schlechte Laune. Gegenüber tut seine Assistentin Simone angestrengt so, als würde sie eine überaus wichtige Recherche durchführen. Die Stimmung ist gespannt.

Draußen ist es heiß, obwohl es noch früh am Morgen ist. Es ist ein Dienstag, es ist Ende Mai und die Erderwärmung hat heuer wohl wieder einen Zahn zugelegt, denkt sich Sklensky. In der U-Bahn in Wien schwitzen die Wiener derzeit so wie nie zuvor. Auch in den Büros wirkt es so, als wollte man die Leute grillen. Dabei ist es eben erst Mai.

Sklensky wischt sich den Schweiß von der Stirn. Ob der von seinem Ärger oder von der Außentemperatur kommt, ist ihm jetzt egal. Er spürt auf jeden Fall, wie sein Blutdruck steigt.

Sklenksy versucht sehr bewusst und fast verzweifelt, die Zeit totzuschlagen. Er öffnet irgendwelche Akten im System, danach liest er sie und und gleich nachher schließt er sie wieder. Durch die Änderung eines einzigen kleinen Beistrichs hat er dokumentiert, dass er zumindest irgendetwas an diesem Akt geändert hat. Nach einigen Akten, die er auf diese Weise bearbeitet hat, erwägt er dann ernsthaft, seinen Chef, den Ministerialrat Hosiner, oder alternativ seine Mitarbeiterin Simone totzuschlagen. Er atmet ein paar Mal tief durch und versucht, sich wieder zu fasssen. Er überlegt, ob er nicht gleich in Krankenstand gehen soll. Immerhin hat er noch ein paar Tage Restkrankenstand vom letzten Jahr über, denkt er sich.

„So komme ich nicht weiter“, denkt er sich. „Das Nichtstun ist die Hölle.“ Er blickt seinen Schreibtisch vor sich an. Das Holz, das sicher schon fünfzig Jahre alt ist, hat etliche Kaffeeflecken einstecken müssen, überlegt er. Auf einigen Quadratzentimetern ist die Farbe ein wenig dunkler, denkt sich der Inspektor, während er ein wenig genauer beobachtet. Dort ist wohl ein Kaffeehäferl von mir oder einem meiner Vorgänger gestanden, kommt ihm in den Sinn. Dort, wo jemand an diesem Schreibtisch ein Kaffeehäferl für mehrere Jahre jeden Morgen hingestellt hat, dort ist das Holz des Schreibtischs anscheinend ein wenig anders geworden, denkt sich Sklensky.

Er geht mit dem Kopf ein paar Zentimeter hinunter, in Richtung des Schreibtischs. Das Gegenlicht vom Fenster erzeugt nun Figuren auf der Schreibtischoberfläche. Dort, wo sein Kafeehäferl steht, kann er nun genau erkennen, dass das Holz um vielleicht nicht ganz einen halben Millimenter höher ist als sonst am Schreibtisch. Das liegt wohl daran, dass bei jedem Kaffee eben unweigerlich ein halber Tropfen auf den Schreibtisch rinnt, denkt sich der Inspektor. Über die Jahre ändert ein Tropfen am Tag dann wohl doch ein wenig an der Struktur am Holz, fasst er seine Arbeitshypothese zusammen. Er blinzelt ein wenig ins Gegenlicht und ist dankbar, dass diese Gedanken ihn zumindest für ein paar Sekunden von der Öde seines Daseins als Inspektor der österreichischen Polizei abgelenkt haben.

Er versucht, wieder an etwas anderes zu denken. Angeln in einem kleinen Boot, das erscheint ihm als guter Versuch, die Zeit weiter totzuschlagen. Er stellt sich nun sehr genau vor, wie er einen Wurm auf einen Angelhaken spießt. Dann denkt er an ein Boot, mitten in einem kleinen See, irgendwo in der Steiermark. In Gedanken fliegt er um dieses Boot, in dem er gerade sitzt und in dem er einen Angelhaken mit einem Wurm bestückt, als genau dann ein Telefon läutet.

Inspektor Sklenksys schlechte Stimmung bricht in sich zusammen, als nach unendlich langen Minuten des Nichtstuns endlich ein Klingeln im Büro die aufgeladene Stimmung unterbricht. Simone hebt ab. Gleich darauf flötet sie in den Hörer: „Ja, sag ich ihm!“. Sklensky atmet tief durch. Er weiß, dass es endlich wieder etwas für ihn zu tun gibt.

„Der Ministerialrat hat gesagt, Sie sollen den Major Tom unterstützen, der ermittelt gerade wegen einem Mordfall an der Graphischen.“, sagt Simone.

Dann schaut sie ihn aber mit großen Augen an: „Aber was bitte ist die Graphische, Herr Inspektor?“.

Sklensky lächelt. Er ist nun ganz in seinem Element als Inspektor. Er freut sich, dass er jemand etwas erklären kann.

„Die Graphische“, sagt Sklenksy, „Das ist die Schule der Medien im 14. Bezirk in Wien. Die Graphische hat eine lange Vergangenheit, sie wurde schon 1888 gegründet.“

„Eigentlich heißt sie Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt und sie ist eine spezielle Art der HTL. Sie ist die Ausbildungsstätte für Druck- und Medientechnik, Fotografie, Multimedia und Grafik- und Kommunikationsdesign. Wussten Sie, dass zum Beispiel Wolfgang Ambros oder Niki List Absolventen der Graphischen sind?“

„Aha.“, sagt Simone und wirkt nicht sonderlich begeistert.

Dann fasst Sklensky zusammen: „Eine tolle Schule, in die wäre ich auch gern gegangen.“

Er schnappt sich sein helles Leinensakko, das im Sommer den Trenchcoat ersetzt, und macht sich auf den Weg.

Weiter zum zweiten Teil…

Kategorien:Krimi

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