Der Filter

Die Welt der Technologie und der Medien

PSO-Zertifizierung ist nur mit den Verbänden sinnvoll oder: Wer braucht PSO Protzium?

Der Fadenzähler dient der Qualitätsüberprüfung von Druckwerken (Foto: Christian Handler)

Der ProzessStandard Offsetdruck wurde von den Verbänden der Druckbranche gemeinsam mit der FOGRA entwickelt, um die ISO 12647-2 umzusetzen.

Im Sinne eines Prozessmanagements wurden dabei praxisgerechte Zielwerte und Toleranzen entwickelt, die den Zweck verfolgen, im laufenden Betrieb Geld zu sparen und Reklamationen zu verhindern.

Erträge mit Sinn

Es ist leider viel zu wenig bekannt, dass die Verbände und die FOGRA laufend viel Arbeit und Geld investieren, um in der internationalen Normungsarbeit die Interessen der Druckbranche im deutschsprachigen Raum durchzusetzen und die Ergebnisse der Normungsarbeit der Industrie zugute kommen zu lassen.

Bis zum Herbst 2015 lief unter dem Projektnamen „Fred 15“ die Adaptierung der neuen ISO 12647-2 Variante, die im Herbst 2013 herausgekommen war. Die Norm wurde auf den neuesten Stand der Technik (CtP-Belichtung) gebracht, nun gilt es, diese Vorgaben durch Testdrucke wieder in praxisgerechte Profile für die Druckbranche umzusetzen.

Diese Grundlagenarbeit kostet natürlich Geld. Wichtig ist, immer wieder zu betonen, dass nur eine PSO-Zertifizierung, die mit den Verbänden der Druckbranche durchgeführt wird, dann auch direkt wieder diese Grundlagenarbeit der Verbände finanzieren kann. Dadurch können sich die ISO 12647 und der ProzessStandard im Sinne der Druckbranche weiterentwickeln.

Trittbrettzertifizierer schaden der Industrie

Natürlich kann jeder eine PSO-Zertifizierung oder eine Konformitätsprüfung nach ISO 12647-2 anbieten, der ein Messgerät ablesen kann. Ob die Qualität der Zertifizierung dabei immer den hohen Standard garantiert, darf wohl bezweifelt werden. Und wer selbst nicht in Grundlagenarbeit investiert, sondern an der Basisarbeit der Verbände mitpartizipieren kann, wird sein Geld auch nicht in die Industrie zurückinvestieren. Das wiederum schadet der Industrie langfristig. Irgendwann werden die Normen dann nur mehr von Maschinenherstellern, Farb- und Papierlieferanten weiterentwickelt, zum Nachteil der Druckbranche.

Kann ich „besser drucken als die Norm“?

Bedenklich ist aus meiner Sicht, wenn dabei die Norm oder der ProzessStandard dabei frei interpretiert werden und als Marketinggag behauptet wird, eine Zertifizierung sei „besser als der Standard“ oder mit „engeren Toleranzen“. Solche marktschreierischen Unsitten erfreuen natürlich das Publikum. Sinn macht das aber sicher nicht, denn die Aufgabe von Normen ist die Vorgabe von verbindlichen Werten; eine Veränderung nach Lust und Laune oder nach Bedarf ist nicht sinnvoll.

Eine Bitte an die Druckbranche:

Zertifiziert mit denen, die Normen entwickeln!

Nur die Zusammenarbeit mit den Verbänden schafft für die Druckereien jene Umwegrentabilität, die eine Normungsarbeit überhaupt erst möglich macht. Das steht fest.

Ehrensache sollte nicht nur sein, im Bereich der Zertifizierung mit jenen zusammenzuarbeiten, die die Norm mitentwickeln: mit den Verbänden der Druckindustrie.

Österreichische Druckereien, die von den Verbänden zertifiziert wurden, finden Sie bei PSO Insider

Über diesen Beitrag: Dieser Text wurde ursprünglich im August 2014 herausgegeben und heuer wieder aktualisiert, denn das Thema ist nach wie vor aktuell. Betonen möchte ich ausdrücklich, dass es sich hier um meine Privatmeinung handelt, die aber wohl zwangsläufig durch meine Arbeit im österreichischen Verband Druck & Medientechnik beeinflusst wurde.

Kategorien:Druckbranche, Glosse, Technik

Schlagwörter:, , , , , , , , , , ,

  1. Jede Menge Wirbel im Wasserglas …

    Eigentlich habe ich mich diebisch gefreut: endlich bewegt sich mal wieder was in Zusammenhang mit der mehr oder weniger gelebten und geliebten Standardisierung. Was so ein kleiner unkonventioneller Artikel mit einer doch endlich mal klaren Position im Wald der politisch korrekten Stellungnahmen auslösen kann…
    Ich gebe an dieser Stelle meine ganz persönliche Meinung ab. Es bleibt dem Leser überlassen, ob er glaubt, hier eine Haltung der Verbände der Druckindustrie durchschimmern zu sehen …

    Ich bin absolut der Meinung, dass der PSO ein wichtiger Standard der Druckbranche ist. Der PSO – als Umsetzungsanleitung der ISO 12647-2 – trägt wirklich dazu bei, die Zusammenarbeit von Auftraggeber und Auftragnehmer zu erleichtern. Auch ich begrüße alle sinnvollen Maßnahmen, die dazu beitragen die Qualität und Effizienz der Medienproduktion zu verbessern und durch industrielle Standardisierung ein effektives und sicheres Arbeiten ermöglichen.
    Und schon ist es gefallen, das Wort „sinnvoll“.
    Auch wenn ich mich in die Nesseln setze: Nicht alles, was technisch machbar erscheint, oder in Einzelfällen umgesetzt wird, oder für spezielle Aufgabenstellungen geeignet ist, hilft letztendlich der Branche.

    Vor allem sollten wir die Aussage des Artikels bewerten, und nicht den Fortschrittsdrang einzelner Hersteller. Und eines dürfte doch auch klar sein: während die Hersteller vorrangig das Ziel des Umsatzes verfolgen, sind die Berater der Verbände den Unternehmen selbst verpflichtet.

    Wichtig ist doch vor allem, den PSO zu leben! Das Qualitätsniveau, das sich durch eine bewusste Standardisierung inkl. der damit verbundenen Kontrollmechanismen ergibt, auf einem möglichst hohen Niveau zu halten. Die Vorschriften der ISO kennen und für das Unternehmen gewinnbringend einsetzen. Das nötige Know-How zu entwickeln und in der Belegschaft abrufbar halten!

    Der Sinn der Standardisierung liegt in der sicheren täglichen Umsetzung. Die Zertifizierung ist letztendlich nur noch eine Bestätigung für den Kunden, das Unternehmen und dessen Mitarbeiter! Wie hat sich ein Kunde ausgedrückt: „Die drucken nicht unbedingt besser, aber die wissen, wovon sie reden und verstehen, was ich will! In der Zusammenarbeit erlebe ich die Möglichkeiten und Grenzen meiner Produktion.“

    Das Zertifikat von fogra und den Verbänden zertifiziert als einziges keine Maschinen-Materialkombination, sondern die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Es wird bestätigt, dass Colormanagement sicher beherrscht wird – und zwar mehr als der übliche Workflow lösen kann. Proofs mit unterschiedlicher Simulation werden genauso bewertet wie die korrekte Kalibration der ctp. Und letztendlich ist eine Auflage innerhalb der ISO-Toleranzen zu drucken, die an versch. Stellen ausgemessen und deren Einzelwerte ungemittelt in die abschließende Bewertung einfließen.

    Wir alle wissen, welche Probleme es bereiten kann, trotz der üblichen Materialschwankungen, des Nass-Trocken-Drifts etc. ein Ergebnis zu erzeugen, das in allen Punkten den Anforderungen und Grenzwerten des PSO entspricht. Die ISO gibt Rahmenbedingungen vor, die es jedem einzelnen überlassen, in diesem Rahmen Optimierungen vorzunehmen. Worin liegt also Sinn, z.B. Farb-Abstandswerte zu halbieren und zu behaupten, damit wäre der Wert eines Zertifikats gesteigert? Und wenn schon die Verbände und die fogra nachweislich in die Normung und deren möglichst praxisgerechte Umsetzung investieren, was wäre dann falsch daran, das auch zu honorieren?

    Einer Aussage kann ich nur zustimmen: Der PSO ist dazu entwickelt worden, die Drucker in einer industriellen Produktion zu unterstützen und ihnen Leitfaden zu sein. Die Norm gibt den Printbuyern die Sicherheit, dass sie auf industrielle Standards zurückgreifen und deswegen qualitativ hochwertige Produkte bekommen. Insofern liegt die wahre Bedeutung der Norm nicht in dem reinen Zertifizierungsprozess, sondern in ihrer Umsetzung in ihrer Nutzung in den Druckereien. Der PSO muss im Druckereialltag gelebt werden. Und gerade an dieser Stelle gibt es viele gute Vordenker, die der Norm den Schwung gegeben haben, den sie verdient. Und den die Branche auch dringend benötigt, wenn sie nicht nur ein weiteres sinnloses Zertifikat an ihrer Wand kleben haben möchten.

    Jetzt werden wir uns doch noch einig! Die Zertifizierung wurde von den Verbänden Druck und Medien geschaffen und gemeinsam mit der fogra weiterentwickelt und marktreif gemacht.
    Und wir zertifizieren nur, wenn das Unternehmen nachweislich in der Lage ist, den Standard auch sicher umzusetzen! Somit haben uns vom reinen Zertifizierungsprozess schon lange verabschiedet, sondern sehen das Zertifikat als die Bestätigung an, das sich ein Unternehmen verdient hat: durch Weiterbildungsmaßnahmen, Investitionen, Prozess-Steuerung etc.

    Gefällt mir

Trackbacks

  1. Buch-Tipp: ProzessStandard Offsetdruck – Revision 2016 | Der Filter

Verfasse einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.