Der Filter

Die Welt der Technologie und der Medien

Druckerei-Krimi: Sonnenuntergang im Waldviertel, Teil 4: Schlechte Entscheidungen

Ermittlungen im Waldviertel (Foto: Christian Handler)

Das ist der vierte Teil der Skensky-Geschichte: Sonnenuntergang im Waldviertel, hier geht es zum ersten Teil.

 

Der Morgen danach

Im Hotel „Zur Traube“, in der kleinen Ortschaft Baum, mitten im Waldviertel, traut Inspektor Sklensky seinen Augen nicht. Es ist Mittwoch Morgen und die Bezirkssekretärin Susanne scheint sich an eine gemeinsame Nacht im Zimmer 213 nicht mehr zu erinnern. Sklensky, der zwei Aspirin zu Hilfe genommen hat, um den Tag einigermaßen stabil zu beginnen, ist sich selbst nicht mehr sicher, was er gestern genau erlebt hat. Eines ist sicher: Sklensky und Susanne sind nun per Du, wie auch immer das passiert ist.

Sklensky hat sich Kaffee bestellt und liest die Zeitung. Gegenüber von ihm sitzt Susanne und spricht kein Wort. Eine Geschichte über die olympischen Spiele weckt Sklenskys Interesse. „Der einzige Bronzemedaillengewinner im Sportbogenschießen für Österreich war Frantischek Novak“, liest Sklensky vor. „Das ist wieder typisch“, sagt er, „Österreicher werden bei den olympischen Sommerspielen immer nur dritte.“. Sie wird plötzlich ganz aufmerksam: „Was sagst du da?“ fragt die Betriebsrätin. „Dass Österreicher immer nur dritte werden.“. „Das ist mir egal, wie heißt der Sportbogenschütze?“, fragt sie und wirkt dabei leicht gereizt.

Sklensky wiederholt den Namen: „Der Bogenschütze, das war Frantischek Novak, kennst du den vielleicht?“, sagt Sklensky. Susanne steht auf und verlässt den Tisch.

Sklensky ist sich immer noch nicht sicher, was im Zimmer 213 wirklich passiert ist. Er bestellt noch einen Kaffee und beschließt, gar nicht mehr darüber nachzudenken.

Welches dunkle Geheimnis steckt hinter Schnell-Druck? (Foto: Chrsitian Handler)

Besuch bei Schnelldruck

Er kommt auch gar nicht zum Nachdenken, denn kurz darauf beginnt die eigentliche Arbeit des Dienstag: Sklensky besucht mit dem Sachverständigen Stefan Zweigelt die Druckerei Schnell-Druck.

Sklensky hat am Montag bei einem Agenturbesuch herausgefunden, dass Schnell-Druck in der Szene anscheinend gut im Geschäft ist. Das erschien dem Inspektor etwas ungewöhnlich, deshalb hat er beschlossen, sich das persönlich anzusehen. Den Sachverständigen Zweigelt hat er wieder mitgenommen, dieser hat ihm schon einige wertvolle Hinweise geliefert.

Die Druckerei Schnell-Druck liegt knapp vor der tschechischen Grenze, ganz im Norden des Waldviertels. Als sie ankommen, will ein Mitarbeiter, der wie ein Türsteher in einer Disco wirkt, sie gar nicht hineinlassen. Erst als Sklensky seine Kriminaldienstmarke und den Dienstausweis herauszieht, wird der Geschäftsführer gerufen.

Daniel Ostmann, der Geschäftsführer erscheint Sklensky wie das genaue Gegenteil des verstorbenen Friedrich Alt. Ostmann ist ein schlanker  Mann in den vierzigern, mit lässigem Sakko und teurem T-Shirt darunter. Er passt in diesem Outfit gar nicht richtig ins urtümliche Waldviertel und auch gar nicht zur eher älter anmutenden Ausstattung der Druckerei.

Ostmann entschuldigt sich für das „Versehen“ seines Mitarbeiter und bittet sie in sein Büro. Sklensky sucht geschult nach Indizien, entdeckt aber nur Dart-Pfeile und technische Kleinteile auf dem Schreibtisch des Geschäftsführers.

Der Geschäftsführer schildert sein Unternehmen in den buntesten Farben. „Unser Hauptverkaufspunkt ist die gute Werbung. Und wir sind extrem sozial eingestellt. Wir unterstützen Kinderheime, haben das Umweltzeichen. Das kommt gut an bei den wichtigen Kunden.“ Dann lächelt er. „Und vor allem der Preis, da sind wir derzeit unschlagbar.“

„Ich möchte noch gerne die Produktion sehen,“ sagt Sklensky, während er aufsteht. Daniel Ostmann bringt sie in den Drucksaal. Dort sieht Sklensky eine einzige Druckmaschine, die schon in die Jahre gekommen, aber anscheinend immer noch aber auf vollen Touren läuft.

Sklensky blickt sich um. Daniel Ostmann steht hinter ihnen. „Das ist ja eine Halbbogen, 4-Farben.“, sagt Sklenksy ehrlich verwundert. „Wie schaffen Sie denn mit diser einen Maschine Ihren ganzen Umsatz?“

„Wir beschäftigen enfach das halbe Waldviertel!“, lacht Ostmann, „Die Kollegen freuen sich, wenn sie etwas zu tun bekommen und wir brauchen keine unnötige Kapazität aufbauen.“

Sein Mobiltelefon läutet. „Ich rufe gleich zurück!“, sagt er kurz. Dann wendet er sich mit einem Lächeln an Zweigelt und Sklensky und deutet zur Tür. „Ich muß dann. Wenn Sie keine weiteren Fragen mehr haben, meine Herren, die Geschäfte rufen.“

Die so Hinauskomplimentierten werfen einander einen Blick zu und gehen. Draussen angekommen hat Sklensky das unbestimmte Gefühl, dass er schon wieder aus dem Augenwinkel einen Schatten gesehen hat. Wieder wischt er diese irrationale Beobachtung weg.

Während Zweigelt und Sklensky dann ins Auto steigen, beginnen sie sich über das Gesehene auszutauschen. Der Sachverständige wundert sich, wie die Druckerei überhaupt das Umweltzeichen bekommen hat. „Haben Sie die Flaschen mit den leichtbrennbaren Lösemitteln gesehen?“, fragt er. „Und die ungesicherten Leitungen? Wenn da irgendetwas passiert, fängt gleich alles an zu brennen. Bin gespannt wer das Gutachten gemacht hat, das war ja fast fahrlässig.“, meint der Sachverständige.

„Was soll denn in einer Druckerei schon groß passieren?”, meint Sklensky. Technische Details sind ihm eher egal.

„Die Kapazität der Druckmaschinen passt überhaupt nicht mit dem Umsatz zusammen, das gibt mir mehr zu denken.“, sinniert der Inspektor. Simone hat ihm ja die Bilanz der Druckerei geliefert, der Umsatz erscheint Sklensky mindestens fünfmal höher als das, was man mit dieser einzelnen fast antiken Druckmaschine normalerweise erreichen kann. Sklensky hat noch die Bilanzen von Schnell-Druck vor Augen. „Irgendetwas stimmt da überhaupt nicht“, erläutert er. „Ich glaube auch nicht, dass er das ganze Waldviertel beschäftigt. Da ist etwas ganz faul, aber ich habe einfach keinen Anhaltspunkt“, sagt er, als sie wieder in Richtung ihres Hotels in Baum im Waldviertel fahren.

„Wo liegt eigentlich Jablonzien?”, fragt dann plötzlich Zweigelt. Sie lachen beide und gestehen einander ein, dass sie diese Länder hinter dem eisernen Vorhang nie wirklich auseinanderhalten konnten.

Knapp vor der Ankunft im Hotel sagt Zweigelt noch etwas, das Sklensky ins Grübeln bringt: „Sehr aufgeräumt war das Büro auch nicht, haben Sie den Stabilisator in der Ecke gesehen?“

„Stabilisator?“, fragt Sklensky.

„Für einen professionellen Sportbogen benötigen Sie einen Stabilisator, ansonsten bleibt der Bogen nicht ruhig genug für einen gezielten weiten Schuss.“. „Und der Mörder vom Mayrhofer war ein Bogenschütze.“ Sklensky blickt Zweigelt bewundernd an und plant sofort die nächsten Schritte.

Im Hotel angekommen, verabschiedet er sich bei Zweigelt. Noch während er im Auto zum Parkplatz fährt, ruft Sklensky seinen Chef, den Ministerialrat Hosiner an: Er möchte die Druckerei Schnell-Druck mehr oder weniger auseinandernehmen, denn irgendwas ist hier faul. Umsätze passen nicht zu den Kapazitäten der Druckmaschinen, die Umweltzeichen sind wahrscheinlich gekauft worden. Und ein Sportbogen in einer Ecke deutet auf den möglichen Mörder. Für Sklensky ist der Fall klar und er verlangt einen Durchsuchungsbefehl.

Hosiner klingt inspieriert: „Na endlich passiert etwas, Sklensky! Hier ist der Kollege Huld im Ministerium für überschüssige Bürokratie zuständig. Der ist zwar von der anderen Partei, aber der schuldet mir noch eine Kleinigkeit. Warten Sie ein paar Minuten, ich melde mich.“

Doch ein paar Minuten später, beim zweiten Telefonat, klingt der Ministerialrat deutlich realistischer: „So leicht wird das nicht sein, Sklensky, diese Druckerei arbeitet auch für das Ministerium und Kollege Huld möchte keine Schwierigkeiten antizipieren.“

Sklensky protestiert vorsichtig: Aber es ginge doch um die Sache, um einen Mord. Und außerdem wäre eine Hausdurchsuchung wohl ein Fall für den Richter.

„In der Sache haben Sie ja sicher Recht, Sklenksy”, sagt Ministerialrat Hosiner, „aber seien Sie nicht naiv, Sklensky“, sagt der Ministerialrat, „in Österreich regiert die Bürokratie, da geht es nie um die Sache! Auch eine Hausdurchsuchung muss koalitionär abgestimmt sein, wenn es um Lieferanten von Ministerien geht. Warten Sie einfach die paar Tage ab, Sklensky, ich schaue mal, was ich für Sie tun kann. Es gibt ja noch ein paar Leute, die mir noch etwas schulden. Bis dahin, Sklensky, entspannen Sie sich, machen Sie nichts auf eigene Faust. Kommen Sie einfach nach Wien zurück oder noch besser: Holen Sie den verlorenen Urlaubstag gleich im Waldviertel nach“.

Damit legt er auf.

Das Waldviertel birgt viele Geheimnisse (Foto: Chrstian Handler)

Sonnenuntergang

Sklensky flucht leise, steckt sich eine Zigarette an und öffnet das Fenster seines Autos. Draußen beginnt die Sonne des Waldviertels wieder mit einem Untergang, der wohl wieder spektakulär werden wird.

Sklensky spürt, dass die Zeit des Abwartens vorbei ist. Fakten sind genug gesammelt. Er weiß, dass er etwas unternehmen muss, denn sonst wird bei diesem Fall nie etwas weitergehen. Ihm geht es immer um die Sache, nie um die Vorschriften, vor allem bei einem Mordfall.

Er schaut in die endlose Weite, und es kommt ihm so vor, als würde in der untergehenden Sonne des Waldviertels ein einsamer Cowboy in die Unendlichkeit reiten.

Am 21. März 2018 geht es hier weiter mit dem fünften und letzten Teil von Sklenskys Mordfall: Sonnenuntergang im Waldviertel, Teil 5: Schlechte Motive

Die Handlung und alle im Text genannten Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen ist rein zufällig.

Kategorien:Krimi

Schlagwörter:, , , , ,

1 Antwort

Trackbacks

  1. Druckerei-Krimi: Sonnenuntergang im Waldviertel, Teil 3: Schlechte Preise – Der Filter