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Druckerei-Krimi: Sonnenuntergang im Waldviertel, Teil 1: Schlechte Laune

Das mystische Waldviertel (Foto: Christian Handler)

Kapitel 1: Schlechte Laune

Inspektor Sklensky hat schlechte Laune. Noch heute morgen ist die Welt für ihn in Ordnung gewesen, aber da war er noch im Urlaub. Genauer gesagt ist er auf der Terrasse eines Hotels am Wolfgangsee beim Frühstück gesessen. Das Wasser, die Berge, frische Semmeln und ein guter Kaffee: das ist für Inspektor Sklensky Entspannung pur.

Kurz danach hat Sklensky gezahlt und ist in Richtung nach Hause gefahren; Sklensky wohnt mitten in Wien und wollte eigentlich erst am Montag wieder zu arbeiten beginnen. Heute ist noch Freitag, mit den Aussichten auf das Wochenende ist neben ihm die Autobahnauffahrt St. Valentin vorbeigeflogen.

Doch plötzlich hat unerwartet das Telefon geläutet und Sklensky hat abgehoben.

„Tut mir leid, dass ich Sie im Urlaub stören muss, Herr Inspektor. Aber ich verbinde Sie gleich mit dem Herrn Ministerialrat!“, hat seine Assistentin Simone geflötet. Sklensky hat das Gesicht verzogen. Vor einer Stunde war er noch im Urlaub gewesen, nun anscheinend schon wieder im Dienst.

„Sklensky?“, hat die knarrende Stimme von Ministerialrat Hosiner aus den Lautsprechern des Autos getönt, während draussen die Autobahnabfahrt Haag näher gekommen ist. „Sklensky, Sie haben einen neuen Fall, in Schlag im Waldviertel. Da wurde ein Sachbearbeiter in einer Druckerei ermordet. Reichlich brutal, noch dazu. Der Staatsanwalt hat Sie angefordert, nachdem Sie der einzige Spezialist in Österreich für Druckereien sind. Sehen Sie sich das sofort an!“ „Reicht denn das nicht am Montag, ich bin noch im Urlaub.“, hat ihn Sklensky zu bremsen versucht, während die Freitag-Vormittagssonne das Mühlviertel auf der Autobahn A1 in malerisches Gelb getaucht hat.

Doch den Hinweis des Inspektors auf den Urlaub hat der Sektionschef fast gelangweilt abgewürgt:  „Herr Sklensky, schauen Sie, ich habe schon alle Hände voll zu tun, um Ihre Abteilung und Ihren Arbeitsplatz überhaupt zu rechtfertigen. Eine Sonderkommission zur Ermittlung bei Verbrechen in Druckereien, wem fällt denn so ein Schwachsinn ein? Genau das waren die Worte des Kollegen vom Rechnungshof letzte Woche. Also seien Sie froh, dass Sie endlich wieder etwas zu tun haben und machen Sie sich bitte an die Arbeit.“ Daraufhin hat der Ministerialrat aufgelegt, bevor Sklensky noch weiter protestieren konnte.

Seitdem hat der Inspektor schlechte Laune, denn sein Urlaub ist ihm heilig. Und jetzt biegt Sklensky mit zusammengezogenen Gesicht von der Autobahn A1 in Richtung Krems und damit ins Waldviertel ab. Es ist mittlerweile schon nach Mittag. Knapp nach Krems setzt plötzlich Nebel ein. Bald wird der Herbst beginnen, denkt Sklensky, während es zu nieseln beginnt.

Johannes Sklensky von der Sonderkommission für Verbrechen in Druckereien in Österreich ist noch keine fünfzig Jahre alt – darauf legt er Wert – und er leitet nun seit drei Jahren die Sonderkommission, die sich auf die Druckbranche spezialisiert hat. Seine Frau hat ihn vor sieben Jahren wegen eines Agenturfuzzis verlassen, seitdem versteht er, warum einige Drucker die Werbebranche nicht so mögen.

Die Sonderkommission hat nicht allzuviel zu tun, denn nur selten passieren Morde in Druckereien. Manchmal ist sich Sklensky selbst nicht sicher, wozu man in Österreich eine Sonderkommission für Druckereien braucht. Manchmal ist er sich gar nicht sicher, ob die Welt ihn überhaupt braucht.

Im Waldviertel ist es oft nebelig. (Foto: Christian Handler)

Am Tatort

Mit solchen düsteren Gedanken fährt Sklensky durch das graue Waldviertel. Hier hat es immer zehn Grad weniger als im Rest von Österreich, denkt sich Sklensky, als er die Abzweigung Richtung Horn nimmt. Neben ihm tauchen unvermittelt Bäume auf, und plötzlich fährt er mitten durch dunkle Wälder. Das Navi führt ihn am österreichischen Truppenübungsplatz vorbei, über kleine Nebenstraßen, quer durch eine romantische Waldlandschaft, vorbei an riesengroßen Steinen, verträumten Lichtungen und offenen Feldern bis nach Schlag im Waldviertel, einem kleinen Ort nahe der tschechischen Grenze.

Sklensky fährt zur Druckerei Friedrich Alt, einem kleinen Betrieb am Rande von Schlag. Es ist eine altehrwürdige und anscheinend sehr ehrenwerte österreichische Druckerei mitten im Waldviertel. Durch die Fenster sieht man im Inneren Druckmaschinen laufen, draußen ist gerade ein LKW dabei, ein paar Paletten Papier abzuladen. Sobald Sklensky die Druckerei betritt, empfängt ihn am Eingang ein Kollege aus dem Waldviertel. „Grüß Gott, Herr Inspektor, ich bin Peter Oberhammer vom Posten von hier. Ich bringe Sie gleich zum Herrn Alt, dem die Druckerei von hier gehört.“. Peter Oberhammer sieht verwittert aus, wie sich Sklensky den typischen Waldviertler vorstellt. Er wirkt so, als hätten ihn Wind und Schnee konserviert, sein Gesicht hat einige Falten, aber sein Alter kann Sklensky nicht schätzen. Besonders fällt an Oberhammer auf, dass er irgendwie eine innere Kraft ausstrahlt. Den kann so leicht nichts aus der Ruhe bringen, denkt sich Sklensky.

„Danke, Herr Kollege. Schön, dass Sie sich um die Sache kümmern”, sagt er höflich und lässt dem Postenkommandant den Vortritt.

Peter Oberhammer fasst die aktuelle Situation kurz zusammen, während sie durch die Druckerei gehen, vorbei an einigen Paletten Papier und etlichen alten Geräten: „Wir wurden heute früh von der Geschäftsleitung von der Druckerei hierher gerufen, denn es wurde am Morgen ein Toter entdeckt.“

„Ja, genau so war das, Herr Inspektor!“ mischt sich ein etwa sechzigjähriger Mann plötzlich ein.

„Friedrich Alt ist mein Name, grüß Gott Herr Inspektor. Ich bin der Eigentümer von Alt-Druck. Gut, dass Sie da sind, Herr Inspektor“, sagt er ein wenig zu leise, während er dem Inspektor die Hand entgegenstreckt – „Bitte kommen Sie doch mit.“

Friedrich Alt ist wohl etwa 60 Jahre alt, er hat eine deutlich sichtbare, dem Alter entsprechende Glatze. Das altmodisches Sakko könnte aus den 70ern stammen. Wirklich gut sieht Friedrich Alt nicht aus, denkt sich Sklensky. Wirklich gut läuft die Druckerei wohl nicht, vermutet der Inspektor. Friedrich Alt wirkt überfordert mit seiner aktuellen Situation – ein Mord im eigenen Betrieb. Er scheint aber auch überfordert mit seinem Leben im allgemeinen. Möglicherweise ist das nur ein persönlicher Eindruck, denkt sich Sklensky, der selbst mit seinem eigenen Leben immer wieder ein wenig überfordert ist. Der Inspektor nimmt sich vor, die Bewertung einmal zu Seite zu stellen und sich zunächst ganz den Tatsachen zu widmen.

Von den Tatsachen gibt es mehr als genug. Zwei Zimmer weiter sieht Sklensky dann den Ermordeten. Rund um ihn tummeln sich Beamte und der Gerichtsmediziner. Alle wirken plötzlich sehr konzentriert, als sie den ermittelnden Inspektor in den Raum treten sehen. Das Büro wirkt antik, die Wände sind in Gelb bemalt, der Schreibtisch stammt offensichtlich noch aus den Siebzigern, nur der Computer darauf wirkt so, also ob er keine fünf Jahre alt ist.

„Wahrscheinlich war das der erste Treffer“, erläutert der Gerichtsmediziner ungefragt, kaum dass Sklensky sich vorgestellt hat. Er deutet dabei auf einen Pfeil, der aus dem Oberschenkel des Ermordeten ragt. „Ich nehme an, der Mörder hat ihn dadurch zunächst fixiert und danach mit drei Pfeilen im Brustbereich regelrecht hingerichtet. Es muss sich hier um einen Meister-Bogenschützen handeln, alle Pfeile – jeder einzelne Pfeil – sind absolut exakt und professionell gesetzt worden.“

„Na bravo“, denkt sich Sklensky, denn er kann eigentlich kein Blut sehen und davon gibt es hier reichlich. Er dreht den Kopf zur Seite, während er auf den Toten deutet. „Wenn dann hier alles erledigt ist, können Sie die Leiche schon mal wegbringen“, sagt er zu den Kollegen, denn der Gerichtsmediziner hat ja seine Arbeit offensichtlich schon getan.

Einer der anwesenden Kollegen von der Spurensicherung nimmt diese Worte von Sklensky gleich zum Anlass, um die bisherigen Ermittlungen zusammenzufassen. „Bei dem Toten handelt es sich um Franz Mayrhofer, er ist Kalku- äh, Kalkulant hier bei Alt gewesen. 42 Jahre alt. Der Tote wurde von mehreren Pfeilen getroffen. Wo die genau hergekommen sind, wissen wir noch nicht, wir warten noch auf das ballistische Gutachten. Was wir aber ungefähr wissen, ist die Tatzeit: Der Gerichtsmediziner sagt, Mayrhofer ist schon seit 8 Stunden tot, die Tatzeit war also  heute Nacht gegen 3 Uhr. Ein Mord mit einem Bogen ist eher ungewöhnlich, aber gestern Nacht war es windstill, da konnte der Schütze seine Chance nutzen. Und das Fenster des Büros war offen.“

Sklensky sieht aus dem Fenster. „Und wenn es im Inneren hell ist, kann man wohl auch von außen relativ problemlos hineinschauen.“, denkt er die Ideen der Spurensicherung zu Ende.

Auch Franz Oberhammer, der Postenkommandant, fühlt sich nun bemüßigt, noch etwas über den Toten zu erzählen: „Der Mayrhofer ist im Ort sehr beliebt gewesen, weil er ein sehr offenes und herzliches Wesen hatte. Verheiratet, zwei Kinder. Er ist seit fünf Jahren hier bei Alt-Druck in der Kalkulation und im Verkauf angestellt, davor hat er in Wien gearbeitet. Einen Raub schließen wir übrigens aus, das Handy des Ermordeten liegt am Schreibtisch, Brieftaschen und Schlüssel hat er noch bei sich und die Spusi sagt, dass sonst wahrscheinlich niemand im Raum war, bis er gefunden worden ist. Ach ja, und natürlich hat niemand einen Schuss gehört. Die Tatwaffe war ja ein Bogen.“

Ein Kollege von der Spurensicherung wirft ein: „Wir haben auch den wahrscheinlichen Standort des Schützen schon gefunden draussen. Leider gibt es keine verwertbaren Spuren. Aber das ist natürlich nur das vorläufige Ergebnis, mehr finden Sie dann in unserem Bericht.“

Sklensky übergeht den unnötigen Kommentar des Spurensicherers. Er blickt sich im Raum um und fragt: „Aber dass er mitten in der Nacht hier war, das ist doch ungewöhnlich? Oder ist das bei Ihnen üblich, Herr Alt?“. Der Geschäftsführer Friedrich Alt wehrt ab: „Wir halten uns genau an den Kollektivvertrag, Herr Inspektor. Normalerweise sollte der Mayrhofer um halb fünf schon auf dem Weg nach Hause gewesen sein. Im Zugangssystem ist auch vermerkt, dass er das Unternehmen gestern um 16:35 Uhr verlassen hat.“ Er deutet auf einen mit Drucksachen übersäten Schreibtisch: „Der Franz war sehr impulsiv, deshalb war ihm dauernd heiß. Deshalb hat er auch im Herbst mitten in der Nach noch das Fenster sperrangelweit offen gelassen.“

„Und wahrscheinlich hat er dabei wohl auch geraucht.“, deutet Sklensky auf ein Zigarettenpackerl auf dem Schreibtisch, das neben dem Mobiltelefon liegt.

„Bei uns herrscht natürlich totales Rauchverbot. Aber beim Mayrhofer habe ich das natürlich nicht so genau nehmen können, Herr Inspektor. Deshalb hat er auch ein eigenes Büro gehabt.“, sagt Alt.

Sklensky blättert durch die Drucksachen, die am Tisch liegen, denn er sucht ein Motiv.

„Wem wollte er denn den Auftrag wegnehmen? Wer druckt denn das gerade?“, fragt der Inspektor, während er auf eine aufwändig gedruckte Broschüre deutet. Der Geschäftsführer blättert die Broschüre durch: „Da ist kein Impressum drin, es lässt sich nichts nachvollziehen.“

„Das werden wir uns später ansehen“, sagt Sklenksy, „Zuerst würde dann gerne mit dem einen oder anderen von Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern reden. Haben Sie eventuell einen Betriebsrat?“ Man könnte meinen, dass sich Friedrich Alt bekreuzigen möchte, als er diese Frage abwehrt: „Wir haben ein so gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern hier, wir brauchen keinen Betriebsrat“, sagt er.

„Aber die Bezirkssekretärin der Gewerkschaft ist hier, Frau Zenker.“, bietet Alt an. Sklensky brummt. „Die soll sich zur Verfügung halten. Anschließend schickt Ihr mir die Kollegen vom Mayrhofer und die Abteilungsleiter.“, bemerkt Sklensky knapp zu den herumstehenden Beamten, dann wendet er sich wieder an Friedrich Alt. „Wo kann ich hier ungestört unter vier Augen mit ein paar Leuten sprechen, Herr Alt? Beginnen möchte ich gleich mit Ihnen.“

Erste Ermittlungen

Friedrich Alt, der Eigentümer der Druckerei Alt-Druck, bittet Sklensky in sein Büro. Er gibt sich professionell distanziert, doch kaum hat er die Türe hinter sich geschlossen, bricht er förmlich zusammen.

„Die Sache mit dem Mayrhofer ist gerade zur Unzeit passiert“, klagt er, „Wir kämpfen seit einigen Monaten mit den Umsätzen. In diesem Jahr will anscheinen niemand mehr bei uns drucken.“

„Herr Inspektor, wir haben doch unsere Vorteile als alteingesessener Betrieb“, sagt er. „Wir kümmern uns wirklich um unsere Kunden. Und wir sichern Arbeitsplätze. Und das bei den Steuern und der Sozialversicherung in diesem Land! Das kostet alles Geld. Ich lasse doch auch alles vom Elektriker hier machen und vom Installateur, auch wenn es mich mehr kostet, als wenn ich einen tschechischen Betrieb beauftrage. Das ist es mir wert. Und Bio-Milch kaufen die Leute doch auch. Warum kaufen sie keine Drucksachen aus dem Inland?“

Sklensky versucht, das Thema wieder zum Mordfall Mayrhofer zu lenken, denn die Verzweiflung von Friedrich Alt mit der Gesamsituation bringt ihn nicht weiter.

„Erzählen Sie mir bitte etwas über den Mayrhofer“, lädt ihn Sklensky ein.

„Der Franz hat immer wieder selbsttätig nach Aufträgen für uns gesucht. Er war ein wirklich wertvoller Mitarbeiter.“, beginnt Alt. Doch dann geht es weiter mit einer Jammerei über die übermächtige ausländische und inländische Konkurrenz, die guten alten Zeiten und die Versäumnisse der Politiker in den letzten Jahrzehnten.

„Danke“, unterbricht ihn Sklensky, „dürfte ich hier in Ihrem Büro gleich mit der Frau Bezirkssekretärin von der Gewerkschaft sprechen?“

Susanne Zenker von der Gewerkschaft ist eine schlanke, eher kleine Gestalt mit blonden Haaren und schmalen Lippen. Sie wirkt herb, fast abweisend. Sklenksy begrüßt die Bezirkssekretärin knapp und bittet sie, die Auswirkungen des Mordes auf die Druckerei zu schildern.

Die Gewerkschaftssekretärin beschreibt die wirtschaftliche Situation der Druckerei ähnlich wie der Eigentümer Friedrich Alt. Die Umsätze sind deutlich zurückgegangen, sie weiß nicht, ob die Löhne und Gehälter für die nächsten Monate überhaupt gesichert sind.

Sie macht sich Sorgen um die Arbeitsplätze. Doch als Sklensky das bekannt gute Lohnniveau in der Druckbranche anspricht, blockt sie sofort ab: „Wenn Sie denken, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einen Cent verzichten sollten, weil der Unternehmer falsche Entscheidungen trifft, dann liegen Sie falsch, Herr Inspektor“.

Schließlich bricht Sklensky auch dieses Gespräch ab, denn es bringt seine Ermittlungen nicht weiter. Er bittet Susanne Zenker, sich zur Verfügung zu halten, falls er weitere Fragen hätte. Dann verhört er noch einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Druckerei.

Einige Gespräche weiter muss Sklensky einsehen, dass er gerade zwar seine Pflicht erledigt, aber dass bei den Ermittlungen inhaltlich heute wohl nichts wirklich weitergehen wird. Er beschließt, den Fall einmal mit dem Polizisten des Ortes zu diskutieren.

Nutzholz in der Nähe von Schlag im Waldviertel (Foto: Christian Handler)

Sonnenuntergang

Nachdem er in der Druckerei fertig ist, besucht Sklenksy noch den Kollegen am Posten in Schlag. „Ich tappe völlig im Dunkeln bei der Sache“, gesteht ihm der Postenkommandant Franz Oberhammer.

Sklensky verzieht das Gesicht, denn diesen Satz wollte er selbst gerade sagen. Er meint: „Das ist doch normal bei einem solchen Mordfall. Da steckt sicher mehr dahinter, vielleicht hat der Ermordete beispielsweise jemand erpresst. Und möglicherweise hat der Täter ja mit dem Mord den entscheidenden Fehler gemacht, indem er sich uns gezeigt hat“, vermutet Sklensky.

Sie mutmaßen noch einige Zeit und entwickeln wilde Hypothesen, Franz Oberhammer wirkt sehr professionell, denkt sich Sklensky, während er mit ihm über den Fall diskutiert. Und er fragt sich, warum es der Postenkommandant nie zu einem höheren Posten in Wien geschafft hat. Möglicherweise wollte Oberhammer nie mehr als Postenkommandant werden, denkt sich der Inspektor.

Damit blinzelt Sklensky in den tiefroten Sonnenuntergang des Waldviertels und es wird ihm plötzlich schlagartig bewusst, wie spät es ist. Hier im Norden Österreichs gibt es sensationell schöne Sonnenuntergänge, aber er weiß noch nicht, wo er übernachten soll.

„Danke für die Hilfe, Oberhammer, aber für heute ist es wohl genug. Ich sollte hier irgendwo übernachten. Was schlagen Sie denn vor?“, fragt Sklensky, denn er weiß, dass es nun schnell dunkel werden kann.

Wenig später quartiert sich Sklensky im Hotel „Zur Traube“ in der Ortschaft Baum im Waldviertel ein, nur ein paar Kilometer von Schlag und damit von der Druckerei Alt entfernt.

Nach dem Abendessen setzt sich Inspektor Sklensky noch an die Hotelbar und betrachtet ein Glas Grünen Veltliner. Dabei lässt er den Tag Revue passieren.

Ein Sachbearbeiter einer Druckerei wurde ermordet, denkt sich Sklensky. Mayrhofer war offensichtlich ein guter Mann. Vielleicht, so sinniert der Inspektor, war er zu gut. Vielleicht hat er irgendetwas herausgefunden, was den Plänen von jemand anderen in die Quere gekommen ist.

Er sieht hinaus in die Nacht, über den Teich für die Gäste. Dahinter beginnen ewig lange Sträucher und Hecken, die langsam in Bäume und Wald übergehen. Das Waldviertel eben, denkt sich Sklensky, es ist eine Landschaft, die immer knapp vor der Ewigkeit scheint.

Er bestellt noch ein Glas vom Grünen Veltliner, denn die Flüssigkeit im ersten Glas ist während seiner Gedanken irgendwie verschwunden. Er denkt an seinen vergangenen Urlaub, der ihm schon ewig lang her und weit, weit weg erscheint. Während er so nachdenkt, fällt ihm eine Bewegung draussen im Freien auf. Ein Schatten ist gerade vor der Balkontür der Bar vorbeigeschlichen, meldet Sklenskys Unterbewusstsein. Und irgendwas an dem Schatten ist Sklenskys rationalem Bewusstsein bekannt vorgekommen.

Der Inspektor schüttelt den Kopf. Alles nur Blödsinn, meint Sklenskys rationaler Teil, nach zwei Gläsern von dem Grünen Veltliner sehe ich schon Gespenster. Er beschließt, nun schlafen zu gehen, bevor ihm noch mehr Schatten über den Weg laufen.

Hier geht es weiter mit dem zweiten Teil von Sklenskys Mordfall: Sonnenuntergang im Waldviertel: Schlechte Umsätze.

Die Handlung und alle im Text genannten Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen ist rein zufällig.

Kategorien:Krimi

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  1. Danke für den spannenden 1.Teil, freu mich auf die Fortsetzung.
    Badner Grüße
    Elvira

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  2. Neugierig warte ich auf die Fortsetzung, ist wieder sehr spannend!!
    Lieben Gruß und bis bald
    Elvira

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  3. Sehr spannend! Bin schon gespannt, wie es weitergeht 🙂

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