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Horror: Der Friedhof von Saint Contest

Militärfriedhof von St-James, Frankreich (Foto: Christian Handler)

Aus der Serie: Horrorgeschichten aus Frankreich

Rick sah Maximilian an und lächelte: „Den kennen wir noch nicht“. Gerade waren sie Richtung Süden aufgebrochen, als ein kleines Schild am Straßenrand ankündigte: „Cimetière militaire de Saint Contest – Kriegsfriedhof von St. Contest“. Seit neun Tagen schon waren sie in der Normandie unterwegs, auf den Spuren des Zweiten Weltkriegs, an den Landungsstränden, an den Häfen, in den Dörfern und in den Friedhöfen, die von der Zeit des Kriegs erzählten.

Rick und Maximilian waren echte Freaks, was den Zweiten Weltkrieg betraf. Sie hatten jeden Film gesehen, jede Serie zum Thema. Ihre Abende hatten sie mit Spielen wie Battlefield, Call of Duty oder Medal of Honor verbracht. Nun hatten sie sich endlich den Urlaub ihrer Träume gegönnt: Quer durch die historische Gegend, in der die Alliierten am D-Day die Rückeroberung Europas begonnen hatten, waren sie voller Begeisterung unterwegs. Kaum ein Detail der ereignisreichen Zeit entwischte ihren Blicken.

Und nun lag anscheinend ein weiteres Abenteuer vor ihnen: Ein bisher nicht bekannter Friedhof, der auf keiner ihrer Karten eingezeichnet war. „Auf geht’s!“, jubelte Maximilian und bog mit quietschenden Reifen nach links ein.

Nach einigen Kilometern ohne jede weitere Information waren die beiden Freunde dann doch ein wenig beunruhigt. „Ich hab kein Schild gesehen“, sagte Rick. „Das ist diese typische Methode der Franzosen, wenn nichts angeschrieben ist, geht es einfach geradeaus weiter.“, meinte Maximilian.

Fünf Minuten später war die Geduld dann doch zu Ende. „Ich dreh jetzt um!“, sagte Rick. Er wendete den Wagen. Doch kaum war dieses Manöver zu Ende, war da vor Ihnen wieder ein Schild: „Cimetière militaire de Saint Contest“, stand auf einem Holzschild. „Na bitte“, brummte Rick und bog in den Waldweg ein, auf den das Schild hinwies.

Einige Kilometer später, mitten im Wald, blieben sie stehen. Es war so etwas wie ein kleiner Parkplatz mitten in der Normandie mit einem provisorischen Hinweisschild: „Cimetière militaire de Saint Contest“. „Da haben wir schon Besseres gesehen“, brummte Rick, als sie ausstiegen. „Oder es ist das Beste, was wir jemals gesehen haben“, meinte Maximilian.

Als sie sich umblickten, glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen. Vor ihnen am Waldrand stand ein Mann in der Uniform eines amerikanischen Soldaten des zweiten Weltkriegs. „Irgendwann sollte man nicht mehr an diesen Krieg denken.“, sagte er „Ich bin der letzte Pazifist. Und ich sorge dafür, dass es keine mehr wie euch gibt, die nur in der Vergangenheit leben.“

Maximilian blickte bewundernd auf die gut gepflegte Thompson-Maschinenpistole in der Hand des Mannes, die anscheinend noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammte. Es sollte das letzte sein, was er in seinem Leben sah.

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Kategorien:Horror

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