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Print-Koan #110: Die Rückkehr des Analogen

Bild: Christian Handler

Mitten in Kalifornien, nur wenige Meilen vom neuen Apple-Campus entfernt, geschieht Merkwürdiges: Die Programmierer, die sonst an der neuesten Version von iOS oder Photoshop arbeiten, versammeln sich in einem dunklen Raum, um zu meditieren.

Geleitet wird die Meditation heute von Cyberlord Gutenberg, der im Kloster zwischen der analogen und digitalen Welt lebt und arbeitet. Cyberlord zündet eine Kerze und ein paar Räucherstäbchen an und lädt alle ein, auf ihren Meditationskissen Platz zu nehmen.

Er sagt: „Je mehr wir unsere tägliche Arbeit und unser tägliches Empfinden in eine digitale Welt verlagern, umso mehr brauchen wir den Ausgleich in der echten Welt. Diese gemeinsamen Minuten der Ruhe, die wir nun erleben werden, sollen uns helfen, uns zu erden und den Kontakt zur Wirklichkeit zu behalten.“

Dann schweigt er.

Nach einigen Minuten der Stille ertönt der Schluss-Gong und wenig später ist der Raum wieder erfüllt von den Signaltönen der Smartphones.

„Meister, alles ist wie es vorher war. Es hat sich doch nichts geändert in dem Leben dieser Programmierer“, bemerkt ein kritischer Mönch.

„Und doch war in der Zeit der Stille alles anders für sie. Das ist nur durch die Kraft des Analogen möglich.“, sagt Cyberlord Gutenberg.

Ein Koan ist eine kurze Geschichte, meist eine Anekdote, die eine typische Aussage eines Zen-Meisters zeigt. Die Print-Koans handeln von Meister Cyberlord Gutenberg, der die schmale Grenze zwischen Print und Online bewohnt.

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Kategorien:Koan

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