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Print-Koan #106: Analoge Konzentration

 

Der Abt, Cyberlord Gutenberg, tritt feierlich vor den Konvent, die Versammlung der Mönche. Er hält einen kleinen Gegenstand in die Höhe und sagt: „Heute war ich in einem Schallplattengeschäft und habe tatsächlich eine alte Single von den Rolling Stones gefunden: Jumping’ Jack Flash. Ich habe sie für Euch gekauft.“

Die Mönche sehen ihm atemlos zu, während er die Schallplatte auspackt und auf den Plattenspieler des Klosters auflegt. Sie betrachten andächtig, wie die Schallplatte sich zu drehen beginnt. Die Stimmung, die sich ausbreitet, ist wie die um ein Lagerfeuer. Es knistert ein paar Sekunden und dann klingen die Riffs von Keith Richards Gitarre durch den Raum, während Charlie Watts und Bill Wyman den Rhythmus treiben. Kurz danach setzt Mick Jaggers Stimme ein: „I was born in a cross-fire hurricane“, behauptet er.

— Satori —

Als die Musik zu Ende ist und der Arm des Plattenspielers wieder in seine Ruheposition fährt, durchbricht Cyberlord Gutenberg die andächtige Stille: „Ist euch etwas aufgefallen? Ihr wart gerade ganz bei der Sache, ganz in der Musik vertieft. Das wäre Euch bei digitaler Musik nie passiert. Das, meine Freunde, ist die Macht des Analogen!“

Ein Koan ist eine kurze Geschichte, meist eine Anekdote, die eine typische Aussage eines Zen-Meisters zeigt. Die Print-Koans handeln von Meister Cyberlord Gutenberg, der die schmale Grenze zwischen Print und Online bewohnt.

 

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Kategorien:Koan, Unterhaltung

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