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Buchtipp: Helmut Koziol: Obsoleszenzen im österreichischen Recht

Bild: Jan-Sramek-Verlag

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Über das Thema Obsoleszenz, vor allem über geplante Obsoleszenzen, wird im Internet heftig diskutiert.

Der Vorwurf der geplanten Obsoleszenz erscheint dabei wie eine Weltverschwörungstheorie: Konzerne bauen angeblich absichtlich Fehler in ihre Produkte ein, damit diese kürzer nutzbar werden und so die Umsätze erhöht werden. Oder denken Sie an Druckerpatronen: Obwohl sie gefühlt noch fast voll sind, zeigt der Drucker an, dass die Patrone bereits leer ist und verweigert seinen Dienst. Ebenso ärgerlich ist für Konsumenten, wenn das Gerät knapp nach dem Ende der Gewährleistungsfrist (oder einer Garantiefrist) den Geist aufgibt und Ersatzteile nicht mehr verfügbar sind.

Die Hersteller weisen den Vorwurf der geplanten Obsoleszenz natürlich zurück, Weltverschwörungstheoretiker wiederum vermuten hinter jedem Gerät, das nicht funktioniert, eine geplante Obsoleszenz.

Der Nachteil der aktuellen Diskussion ist, dass sie meist auf rein emotionaler Ebene geführt wird, eine vernünftige Beschäftigung mit dem Thema ist leider selten.

Umso höher ist dem Jan-Sramek-Verlag anzurechnen, dass nun mit dem Band „Obsoleszenzen im österreichischen Recht“ eine Studie auf wissenschaftlicher Basis vorgelegt wird, die das Thema auf einer sachlichen Ebene untersucht.

Der Autor dieser Studie ist kein geringerer als Helmut Koziol, der als einer der renommiertesten Spezialisten im österreichischen Zivilrecht bekannt ist.

Er nimmt das Thema sachlich und gründlich unter die Lupe, betrachtet die Obsoleszenzen unter dem Licht der Gewährleistung, der Garantie, des Irrtums und des Schadenersatzes.

Das Ergebnis ist wenig überraschend. Die Möglichkeiten der Konsumenten, über die Gewährleistung und Garantie gegen vorzeitige Obsoleszenz vorzugehen, sind begrenzt.

Da die Lebensdauer eines Produkts und eventuell auch die Reparaturfähigkeit eine ganz wesentliche Produkteigenschaft darstellt, könnte aber durch eine entsprechende Klarstellung beispielsweise im Konsumentenschutzgesetz eine Informationsplicht für Erzeuger und Händler installiert werden, die die Hersteller verpflichtet ähnlich wie bei Lebensmitteln eine zu erwartende Gebrauchsdauer anzugeben. Damit wäre der Weg für entsprechende Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüche offen, wenn diese Informationspflichten nicht eingehalten werden. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.

Zusammenfassung
Es handelt sich hier um ein richtungsweisendes Werk, das einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion um die Obsoleszenzen leisten wird.

Helmut Koziol
Obsoleszenzen im österreichischen Recht
Geltendes Recht, Schutzlücken und Reformbedarf
Broschüre, 138 Seiten, Format: 13,5 x 20 cm, 29,90 Euro

Zum Buch beim Jan-Sramek-Verlag

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Kategorien:Recht, Rezension

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