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Für ein Urheberrecht 2.0 – Willkommen im freien Markt

Oder: Über die Reformbedürftigkeit des Urheberrechts aus ökonomischer Sicht und warum die Verwertungsgesellschaften nicht recht haben!

Foto: Handler

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Liebe Filmindustrie, Musikindustrie, Verlage: Schminkt euch bitte die Margen ab, die ihr bisher gewohnt seid!

Auch bei Filmen und Musik herrscht die Marktwirtschaft. Das bedeutet: Der Markt bestimmt den Preis, nicht der Produzent. Es ist aus Sicht des Kunden eine rein zeitökonomische Frage, ob er sich einen Film über Netflix, iTunes oder eben über einen Torrent reinzieht. Dadurch entsteht ein Preis, den der Markt zu zahlen bereit ist. Wird ein Preis angeboten, der darüber liegt, geht der Konsument lächelnd in die Halblegalität, weil es sich für ihn auszahlt.

Bisher haben die Verwertungsgesellschaften, die die Rechte der Musik- und Filmschaffenden „schützen“, sich hier ein Körberlgeld – manche behaupten auch „Schutzgeld“ (von schützen) verdient. Und immer damit argumentiert, dass die „armen“ Kunstschaffenden eine gewisse Menge Geld verdienen müssen.

Doch dieses pflichtmäßige „Verdienen-Müssen“ ist ein Konzept der Vergangenheit. In allen anderen Branchen ist der Wind der Marktwirtschaft schon mit eiserner Hand durchgefahren, Unternehmen sind zugrunde gegangen, andere haben sich angepasst, waren innovativ, und haben überlebt. Und die Musik- und Filmbranche soll diese Transformation nicht mitmachen? Das wäre unsinnig!

Liebe Konsumentinnen und Konsumenten: Unterstützt Dienste wie Spotify, Apple Music, Netflix und Flimmit!

Ich bin ein Anhänger von Streaming-Diensten. Bevor ich nämlich ein Lied stundenlang auf irgendwelchen abstrusen Seiten im Web suche (und dann kostenfrei zur Privatnutzung nach § 42 UrhG downloade), nutze ich lieber einen kostenpflichtigen oder werbefinanzierten Streaming-Dienst. Es ist eine feine faire Sache, über einen monatlichen Beitrag immer das zu hören oder sehen können, was ich möchte.

Das nutzt auch den Künstlern: Solche Dienste können nämlich – anders als Verwertungsgesellschaften – vollautomatisch mit dokumentieren, welche Lieder wie oft gehört, welche Filme wie oft gesehen werden und damit einen fairen Beitrag an die Künstler abliefern.

Wenn gewisse Künstlerinnen und Künstler ihre Musik dann nicht über Streaming-Plattformen verbreiten wollen, „weil sie damit zu wenig Geld verdienen“, dann eben nicht. Dann hören die Konsumentinnen und Konsumenten einfach jemand andern. Und es gibt eben gar kein Geld.

Wie gesagt, Käufer und Käuferinnen bestimmen, wie viel ihnen eine Sache wert ist, nicht der Produzent.

Und echte Kreative entwickeln heute schon gute Ideen, wie sie aus Ihrer Kunst Geld machen, abseits und unabhängig von den klassischen Märkten. Einer, der das bereits verstanden hat, ist David Guetta. Er meint, Raubkopien seien gut für das Geschäft, weil sie Konzertbesucher bringen.

Wir brauchen ein neues Urheberrecht, das sich an der Realität eines digitalen Marktes orientiert

Die aktuelle Situation im Bereich Urheberrecht führt zu zwei absurden Folgen:

  • Erstens: Autorinnen und Autoren werden nicht vor illegalen Raubkopierern geschützt. Echte Raubkopierer bedienen sich, wo sie wollen, die Technik stellt kein Hindernis her.
  • Zweitens: Alle, die legal unterwegs sein wollen, werden bestraft. Abmahnanwälte und Verwertungsgesellschaften kriminalisieren diejenigen, die aus Unkenntnis kleine Formalfehler begehen. Gerade für Fotografen ist das heute ein durchaus lukratives Geschäftsmodell.

Ein neues Urheberrecht sollte sich am digitalen Markt orientieren, und Konsumentinnen und Konsumenten dazu animieren, für jede Nutzung von Werken geringe Beiträge zu zahlen. Verwertungsgesellschaften könnten als neue Tauschbörsen den Marktplatz darstellen, an dem Nutzungsrechte für Werke temporär legal erworben werden können, zu einem Preis, der so attraktiv ist, dass sich das Suchen auf Torrents gar nicht mehr lohnt.

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Kategorien:Glosse, Immaterialgüterrecht, Recht

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