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Print-Koan #58: Die Visitkarte

Abendstimmung im Kloster

Abendstimmung im Kloster (Foto: Handler)

 

Es ist Abend im Kloster an der Grenze zwischen der digitalen und der analogen Welt. Cyberlord Gutenberg träumt von der Zukunft: „Stellt Euch vor“, sagt er zu seinen Schülerinnen und Schülern, „wir erhalten in 30 Jahren einmal Besuch von einem Unbekannten. Niemand weiß, wer er ist.“ „Und was soll dann sein?“, fragen die Schülerinnen und Schüler, während sie ihren Facebook-Status auf „Langweilig!“ ändern.

„Der Besucher in der Zukunft ist ungewöhnlich“, sagt Cyberlord, „denn er gibt seine Visitkarte ab, bevor er eintritt“. Seine Schülerinnen und Schüler blicken kaum von YouTube auf, während sie gelangweilt fragen: „Und dann?“

„Dann, liebe Freundinnen und Freunde, wird es Zeit sein, den alten Sherry zu öffnen, den ich für diese Gelegenheit eingelagert habe. Denn es ist der Moment, an dem sich die letzten beiden Menschen treffen, die noch lesen und schreiben können.“ Er sendet die WhatsApp-Nachricht: „Gute Nacht!“ an die Klostergruppe. Alle stehen auf und gehen schlafen.

Cyberlord Gutenberg bleibt noch sitzen und grübelt: „Ich frage mich, ob dieser Moment nicht schon bald da sein wird.“

Ein Koan ist eine kurze Geschichte, meist eine Anekdote, die eine typische Aussage eines Zen-Meisters zeigt. Die Print-Koans handeln von Meister Cyberlord Gutenberg, der die schmale Grenze zwischen Print und Online bewohnt.

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Kategorien:Koan

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