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Was bringt die Umstellung auf die neue ISO 12647-2?

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Die Umstellung auf die aktuelle ISO 12647-2 aus dem Jahr 2013 bereitet derzeit
mancher Druckerei Kopfzerbrechen. Manch einer behauptet sogar, dass man wohl besser bei der alten Variante der Norm bleiben sollte (die stammt übrigens aus dem Jahr 1996, mit einer Revision aus dem Jahr 2004). Andere wieder sehen keinen Grund zum Umstellen, wenn das Ergebnis nachher sowieso gleich aussieht (was ja Sinn und Zweck jeder Standardisierung im Workflow ist).

Es gibt aber viele gute Gründe, auf die neue Normvariante umzusteigen. Denn die alte Variante hat eine Reihe von bekannten Problemen: vor allem mit den Aufhellern in gestrichenen Papieren und dem notwendigen Verbiegen der Belichterkurven. Die alte Normvariante bildet nämlich noch einen Workflow über Filmbelichtung ab, ist also aus heutiger Sicht fast „steinzeitlich“.

Mit der neuen Norm kann man also die gleichen Ergebnisse erzielen wie mit der alten, allerdings mit weniger Aufwand und mit höherer Prozesssicherheit, die sich schlussendlich in einer Reduktion der Kosten niederschlagen wird. Natürlich besteht kein Zwang zum Umstellen und es soll ja auch noch Betriebe geben, die immer noch nach der „Euroskala“ drucken.

Die Umstellung aus technischer Sicht

Bei der Neufassung der ISO 12647 ist es zu einigen wichtigen Änderungen gekommen, die die Norm für die Praxis besser geeignet machen: Die Einteilung der Papiertypen ist wesentlich praxisgerechter, der Workflow basiert auf der Direktbelichtung auf die Druckplatte und die neue Norm funktioniert endlich mit nichtperiodischen Rastern genauso wie mit  konventionellen Rastern.

Von den Verbänden (bvdm), der ECI und der Fogra wird zurzeit intensiv an neuen Charakterisierungsdaten und ICC-Profilen für die neuen Druckbedingungen gearbeitet. Diese ICC-Profile für die Neufassung, ein neuer Medienstandard und das Update des PSO-Handbuchs sind natürlich die Grundvoraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz in der Praxis. Sobald alles ausreichend getestet und die ICC-Profile offiziell herausgegeben worden sind, wird einer Umstellung innerbetrieblich nichts mehr im Wege stehen.

Ob man den eigenen Workflow im Rahmen einer routinemäßigen Einstellung dann nämlich auf alte oder neue Charakterisierungsdaten einstellt, sollte für den professionellen Betrieb egal sein. Die neue Variante passt eben besser zu einem modernen Workflow und den aktuell in der Praxis verwendeten Papieren und wird auf längere Sicht für eine standardisierte industrielle Produktion die bessere Lösung sein.

Die Umstellung aus Sicht des Kunden

Für den Kunden der Druckerei wird die Umstellung zunächst gar nicht sichtbar sein. Denn aus Sicht der angelieferten Daten gibt es zwei Arten von Kunden:

Kunde Typ A

Der Kunde kümmert sich gar nicht um Farbmanagement oder weiss nicht, was er oder sie im Farbmanagement tut. Seine Farbprofile sind meist nicht ernst zu nehmen und durch Standardprofile zu ersetzen.

Kunde Typ B

Der Kunde kümmert sich intensiv um das Farbmanagement und weiß genau, was er oder sie  im Farbmanagement tut. Seine Farbprofile sind ernst zu nehmen.

So oder so wird man die Daten beider Kunden im eigenen Workflow in die hausintern verwendeten Profile konvertieren. Und ob diese jetzt Profile der „alten“ oder der „neuen“ Normvariante sind, ist ja eigentlich unerheblich. Ist die Umstellung von der Druckerei gut gemacht worden, wird sich am Ergebnis gar nichts ändern.

Die Umstellung aus Sicht des Marketing

Wozu dann wirklich der ganze Aufwand? Eine Druckerei, die imstande ist, nach der aktuellen Variante der ISO 12647 zu drucken, hat zunächst bewiesen, dass hier ein Betrieb ist, der alle Detailaufgaben im Farbmanagement beherrscht. Da funktionieren Dinge wie Beleuchtung, Messtechnik, Umgang mit verschiedenen Papieren im Druck, korrekte Umrechnung der Kundendaten usw. Hier kann der Kunde also eine extrem hohe Kompetenz und ein gutes Fachwissen voraussetzen.

Kunden vom Typ A werden diese Sicherheit zu schätzen wissen, Kunden vom Typ B werden sogar einen Schritt weitergehen und gemeinsam mit den Druckvorstufenspezialisten der Druckerei den eigenen Workflow optimieren und gemeinsam ideale Übergabeprofile definieren. Bei solchen Kunden wird man auch thematisieren, dass Drucke in der alten und neuen Variante der Norm zwangsläufig anders aussehen werden und wie man damit vernünftig umgeht.

Das bedeutet: Auch aus Sicht des Verkaufs ist die (für den Kunden zunächst unspektakuläre) Umstellung ein Gewinn, wenn die Druckerei es schafft, die durch die Beherrschung der Normvorgaben erlangten Kompetenzen als Vorteil im Markt zu positionieren.

Herausgeber der Profile ist die ECI www.eci.org , Herausgeber der Charakterisierungsdaten ist die Fogra www.fogra.org . Der bvdm gibt den MedienStandard Druck, den ProzessStandard Offsetdruck, sowie weitere Arbeitsmittel wie das Altona-Test-Suite-2.0-Anwendungspaket oder die roman-6-Referenzbilder heraus.

Die Standardwerke zum ProzessStandard beim bvdm
Richtlinien und Handreichungen beim bvdm
Aktuelles zur neuen Norm bei der Fogra
Zum fred15-Projekt der ECI

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Kategorien:Druckbranche, Technik

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