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Die Druckerei – eine Science-Fiction-Geschichte

Die „Mozart" in der Nähe des Jupiters. (Screenshot aus Orbiter)


Die „Mozart“ in der Nähe des Jupiters. (Screenshot aus Orbiter)

In einer alternativen Realität hat die Republik Österreich mit dem Verkauf der Hypo Alpe Adria unter Finanzminister Tegetthoff so viel Geld verdient, dass ein nationales Weltraumprogramm gestartet wurde. Nach einigen Jahren Entwicklungszeit fliegt das österreichische Raumschiff „Mozart“ im Jahr 2045 als erstes bemanntes Raumschiff zum Jupiter mit dem Ziel, die Bodenschätze der Jupitermonde für die Menschheit nutzbar zu machen.

Fast eine Milliarde Kilometer von der Erde entfernt zünden wir das Triebwerk für den Testlauf und die Alarmsirenen beginnen sofort zu heulen. Kein Wunder, denke ich mich, dass so etwas gerade vor einem kritischen Manöver passiert. Weil: Alles klappt nie. Das ist eine alte Weisheit im Weltraum. Bei zwei Jahren Flugzeit zum Jupiter, einer Strecke von über einer Milliarde Kilometern, unter dauerndem Beschuss der kosmischen Strahlung, da kann auch unser robustes Raumschiff aus Voest-Stahl den einen oder anderen Fehler entwickeln.

Wir schalten das Triebwerk also wieder aus und Igor wird aussteigen und den Fehler am Triebwerk näher ansehen. Von den Instrumenten erhalten wir derzeit nur unklare Daten.

Igor ist unser Quoten-Russe. Wir sagten das immer scherzhaft so, obwohl er in der Steiermark geboren ist und Russland nur vom Drüberfliegen kennt. Er ist aber der beste der Mannschaff, was das Improvisieren angeht. Schon in den letzten Jahren des letzten Jahrtausends waren die Russen bekannt dafür, auf ihren Raumstationen allerlei Dinge zu reparieren. Daher hat er wohl seinen Spitznamen.

Max, unser Drucker und Mechatroniker hilft ihm beim Anlegen des Raumanzugs. Max betreibt die Bord-Druckerei. Er erzählt uns immer von seinen Zeiten auf der Erde, als er noch Plakate gedruckt hat.

Draußen ist es dunkel. Nur im Observatorium des Schiffes sieht man Sterne. Oder die Erde, die mittlerweile mehr als 900 Millionen Kilometer entfernt ist. Der Jupiter ist mittlerweile so groß geworden, dass man ihn als einziges Objekt auf der entgegengesetzten Seite zur Sonne mit freiem Auge sehen kann. Alle Teile des Schiffs, die von der Sonne beleuchtet sind, sind gleissend hell, alles andere ist dunkelschwarz.

Vor uns liegt eines der wichtigsten Manöver des ganzen Fluges. Nach über zwei Jahren sollen wir demnächst wieder die Haupttriebwerke zünden, um in eine Bahn um den Gasriesen einzuschwenken. Von dort wollen wir uns von einem der großen Monde zum andern weiterarbeiten – Io, Europa, Ganymed und Callisto. Auf Callisto erwarten die Wissenschaftler aus Graz Bodenschätze, die diese ganze Mission finanzieren könnten. Aber erst müssen wir einmal dorthin kommen.  Der Testlauf sollte sicher stellen, dass das Triebwerk immer noch funktionieren, von ihm hängt schließlich unser Überleben ab. Wenn das Triebwerk nicht zündet, treiben wir am Jupiter vorbei in die Unendlichkeit des Weltraums und kommen nie wieder zur Erde zurück.

Mittlerweile hat Igor den Grund für den Fehler herausgefunden: die Nougas-Versorgung im Triebwerk ist unterbrochen. Eines der sehr kompliziert gebauten Ventile hat der Strahlung des Weltraums nicht standgehalten. Das ist also unsere aktuelle Situation: Ohne Triebwerk ist die Mission verloren, ohne dieses Ventil können wir das Triebwerk nicht zünden, und für dieses Ventil haben wir keinen Ersatz mitgenommen.

Wir sehen uns an. Die menschliche Psychologie ist immer eine potenzielle Schwachstelle bei Weltraummissionen. Natürlich sind wir alle nach typischen Austronautenkriterien ausgewählt worden – perfekte Gesundheit, vielfältige Fähigkeiten, absolute psychische Robustheit und ein Schuss österreichische Lässigkeit – das waren die Bedingungen für die Teilnahme. Zwei Monate Test-Isolation auf der österreichischen Station am Mond, im Kreisky-Krater, haben bewiesen, dass wir auch mit fast unlösbaren Aufgabenstellungen fertig werden. Mit einem Wort: Wir sind als Elite der Alpenrepublik angerückt, um den Weltraum zu erobern. Uns kann fast nichts erschüttern. Fast nichts.

Nun haben wir ein Raumschiff mit einem unbrauchbaren Triebwerk, nur weil ein kleines Ventil seinen Geist aufgegeben hat. Steigt in dieser Situation Panik in uns auf? Nein, Panik ist heute fehl am Platz. Max, der Drucker, hat den 3D-Drucker bereits aktiviert. In einer Viertelstunde wird das Ersatzventil fertig sein.  Gut, dass wir eine Druckerei an Bord haben.

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Kategorien:Druckbranche, Unterhaltung

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