Der Filter

Die Welt der Technologie und der Medien

Print: More than 50 Shades of Grey

Ein herkömmlicher Druck bietet mehr als 50 Abstufungen

Ein herkömmlicher Druck bietet mehr als 50 Abstufungen. Bild: Christian Handler

Oder: Warum Christian Handler mehr zu bieten hat als Christian Grey.

Neben dem Durchschnitts-Grau verbergen sich in uns Menschen 50 Abstufungen, sagt ein aktueller Bestseller.

Meine heutige Frage lautet: Wie sieht das in der Druckerei aus?

Bei der Übertragung und beim Druck von Bildern können wir mithilfe des sogenannten Abtasttheorems recht genau berechnen, wie viele Abstufungen technisch möglich sind. Dieses Wissen ist in vielen Bereichen der digitalen Wiedergabe überlebensnotwendig. Das Abtasttheorem sagt, dass man doppelt so viele Abstufungen in der digitalen Repräsentanz abtasten muss, als man bei der Wiedergabe erkennen kann.

Denken Sie als Beispiel an die Auflösung von Bildern. Bei der Reproduktion mit einem Raster gilt als Faustformel, dass das Bild die doppelte Auflösung der Rasterweite haben muss, bei einem 60er-Raster (60 Linien pro Zentimeter oder 150 lines per inch) erwartet man deshalb eine Auflösung von rund 300 dpi.

Auf der Eingabeseite und bei der Frage der Abstufungen arbeiten wir dabei normalerweise mit 8 bit pro Pixel und Kanal. Für ein RGB-Farbbild ergeben sich damit 2 hoch 8 hoch 3 Abstufungen, das sind 1.6.777.216 Abstufungen, bekannter als die 16,7 Millionen Farben, die ein Bildschirm darstellen kann (zumindest das Ausgangsbild kann also theoretisch so viele unterschiedliche Farben liefern). Wenn wir nun auf die Shades of Grey zurückkommen, also auf Grauabstufungen, sind es immer noch 2 hoch 8 oder 256 Abstufungen.

Beim Drucken im Offsetdruck mit einem herkömmlichen Raster wiederum bestimmt die Rasterzelle, aus der die einzelnen Rasterpunkte aufgebaut sind, die Anzahl der darstellbaren Graustufen. Hier sind es typischerweise mindesten 257 Abstufungen (2 hoch 8 + 1, die technischen Details können sie beispielsweise hier nachlesen), die ein solcher Raster bei heutigen Belichtern darstellen kann. Mit frequenzmodulierten Rastern können es durchaus sogar mehr sein. Technisch könnten wir also die Abstufungen des Bildes zumindest bis zum belichtbaren Punkt auf die Druckplatte bringen.

Nun wird jedem klar sein, dass diese theoretisch möglichen Abstufungen im System der Druckmaschine auf dem Weg von der Druckplatte über das Gummituch auf den Bedruckstoff natürlich nicht darstellbar sind. Im Normalfall, so sagen die Experten, bringen wir in diesem analogen Prozess typischerweise etwas weniger als 100 Abstufungen pro Farbe auf das Papier.

Für das menschliche Auge, das rund 30 bis 50 Graustufen wahrnehmen kann, sind das mehr als genug, das Abtasttheorem (siehe oben) ist erfüllt, indem doppelt so viele Graustufen gedruckt werden als erkannt werden können. Auch Graustufenbilder haben deshalb für uns keine sichtbaren Abstufungen sondern erscheinen in glatten Verläufen, wenn ordentlich reproduziert und gearbeitet wird.

So oder so, im Druck haben wir also auf jeden Fall mehr als 50 Abstufungen im Grauverlauf drauf. Also More than Fifty Shades of Grey. Im Farbdruck sind es natürlich noch wesentlich mehr – vielleicht eine Anregung für den vierten Band der Romanreihe?

Zum Nachlesen empfohlen:

Das Abtasttheorem

Zum Aufbau der Rasterzelle in herkömmlichen Rastern

Prof. Dr. Kurt Schläpfer: Farbmetrik in der grafischen Industrie. St. Gallen, 2002, dritte Auflage.

E. L. James: Fifty Shades of Grey, http://www.vintagebooks.com 2006

Advertisements

Kategorien:Druckbranche, Glosse, Technik, Unterhaltung

Schlagwörter:, , , , , ,

1 Antwort

  1. Hat dies auf All about design rebloggt und kommentierte:
    Für alle Kreativen, die sich bei Drucktechnik ein bisschen besser auskennen möchten!
    Ich hatte ja das Glück, in meiner Ausbildung nicht nur Grafikdesign sondern auch Drucktechnik dabeizuhaben , was sich schon oft bezahlt gemacht hat 🙂

    Gefällt mir