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Print Reloaded – wie sieht #print2020 aus?

Wie sieht #print2020 aus?

Wie sieht #print2020 aus?

Wie geht es weiter mit dem Drucken?

Die Fakten liegen am Tisch: die Nachfrage nach Gedrucktem befindet sich im Wandel. Der letzte Drupa-Report hat uns gezeigt, dass die schmerzhafte Botschaft bereits in der Branche angekommen ist: Klassische Druckprodukte werden weniger, Kataloge, Zeitschriften und Zeitungen haben teilweise dramatische Einbrüche erlebt.

Auch im Bereich Werbung kämpft die Branche intensiv gegen die Vorurteile der Marketing-Menschen, denen die Internet-Industrie eingeredet hat, dass Werbung im Online-Bereich besser funktioniert als gedruckt.

Viele Studien sprechen zwar eine andere Sprache; Gedrucktes gilt aus Sicht der Forscher als das Medium, das bei den Konsumentinnen und Konsumenten am besten ankommt: Seriös, nachhaltig und elegant; nicht so penetrant-unangenehm wie eine Internet-Werbung. Die österreichische Druckbranche hat im Krisenjahr 2008 fast 10 Prozent des Umsatzes verloren. Seitdem sind die Rückgänge sehr gering (weniger als ein Prozent im Jahr), doch erholt haben wir uns von dem Einbruch nie. Aktuell machen Österreichs Druckereien mit immer weniger Betrieben und immer weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit steigender Produktivität und maximalem Einsatz zumindest die laufenden Preiserosionen im Druckbereich wett, mehr aber nicht.

Eine dystopische Interpretation sieht also schwarz: Für Papier bleibt nur mehr Verpackung und Klopapier.

Eine solche Interpretation der Daten ist natürlich unseriös; doch auch wenn der Rückgang des Gedruckten keineswegs so schnell geht, wie die Internetindustrie gerne hätte, so ist doch eines klar: Das Drucken im klassischen Sinn ist kein Wachstumsmarkt mehr.

Manche konzentrieren sich nun auf die Verlagswelt und zitieren das alte Rieplsche Gesetz: Neue Medien verdrängen nicht die alten, sondern ergänzen Sie nur. Das bedeutet für den Zeitungsbereich, dass neue Formen der Informationsverbreitung die Zeitung nie ganz verdrängen werden. Als aktuelles Beispiel für die Gültigkeit dieses Gesetzes wird gerne die aktuelle Renaissance der Schallplatte genannt. Wenn wir uns aber in der Musikbranche die nackten Zahlen ansehen, so ist klar: solche Renaissancen von Altmedien sind nur minimal kleine Nischenprodukte und für das Überleben nicht ausreichend.

Der Vergleich hilft hier also nicht weiter, interessanter ist für die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage viel mehr das Thema, ob man in absehbarer Zeit realistische Bezahlmodelle für das Internet entwickeln kann, die dauerhaft die Verlage erhalten. Das heiß diskutierte Thema betrifft die Druckbranche nur im kleinen Segment der Zeitungsdruckereien.

Für die Akzidenzdruckereien, die den größeren Teil der österreichischen Druckereien ausmachen, stellen sich ganz andere Fragen: Gibt es überhaupt ein Überleben in einem fortschreitend digitalen Markt? Wird der Preis die Konsumenten von Gedrucktem in den ostasiatischen Raum und zu den Internetdruckereien treiben?

Unter diesem Aspekt sollen nun einige der aktuellen Megatrends unter die Lupe genommen werden. Denn einige dieser Trends können echte Chancen für die Druckbranche werden.

Was bedeuten die aktuellen Megatrends für den Druckbereich?

Der Trend zur Indiviualisierung und Personalisierung: Die industrielle Einzelfertigung oder anders gedacht die kundenindividuelle Massenproduktion zur Befriedigung des fortschreitenden Indiviualitätsstrebens sind Trends, die vor allem im Digitaldruck einen Boom auslösen könnten. Bedruckte personalisierte Tapeten, Vorhänge, Schreibtische, Schränke und vieles mehr sind Hoffnungsmärkte für die Druckbranche.

Der Trend zur Rückbesinnung auf Regionales im Zeitalter der Globalisierung spricht auf längere Sicht für die Fertigung im eigenen Land. Lokale Druckereien werden im Trend zur Nachahltigkeit und CSR wieder punkten können.

Ganz allgemein sprechen Nachhaltigkeit und Umweltthemen sehr für das Thema Druck auf Papier, denn hier punktet die Branche mit Recycling, dem nachhaltigen Rohstoff Papier und den intensiven Öko-Bemühungen der Branche. Nachhaltigkeit gilt als ein Trend der kommenden Jahre.

Der allgemeine Trend zur Digitalisierung wiederum kann Chance oder Gefahr für die Branche sein.

Manche Trends entsprechen auch Gefahren: Der aufstrebende Osten ist sicher eine Gefahr. Hier wird sich zeigen, ob Konsumentinnen und Konsumenten eher dem kleinsten Preis folgen oder ob sich Regionalität als Trend durchsetzt.

Industrielle Fertigung – kein Weg daran vorbeiführt!

Sind nun die Online-Druckereien mit ihrer Konzentration auf die „Economies of Scale“  die Rettung oder der Untergang des Grafischen Gewerbes? Der Vertrieb über das Internet ist auf jeden Fall ein Faktor, der vor allem bei den Jüngeren zu einer radikalen Änderung des Kaufverhaltens geführt hat. Und es gilt für die Druckbranche keineswegs als gesichert, dass man ohne Vertrieb über das Internet überhaupt die notwendigen Umsätze schaffen wird.

Die Beschäftigung mit der EDV ist für die Druckbranche sowieso unumgänglich. Schauen Sie sich doch einmal an, was Bernd Zipper über Big Data schreibt.  #BigData und die Druck- und Medienindustrie: Teil 1 und Teil 2

Was die Online-Druckereien neben der Konzentration auf den Vertriebskanal Online aber vor allem vorzeigen, ist die konsequente Industrialisierung der Branche. Kein Abstimmen an der Maschine mehr, Lean Management, wohin man blickt, radikales Optimieren aller Fertigungsbereiche – dort ist das klassische grafische Gewerbe tot, es gibt nur mehr eine Druckindustrie. Die Kostenoptimierung durch Industrialisierung ist ein Erfolgsmodell, das die Branche gewaltig wandeln wird.

Themen wie Prozessoptimierung, Qualitätsmanagement, die heute vielfach noch Randthemen sind, rücken dann in den Vordergrund der Überlegungen. Vielleicht hilft es bei einer Strategieentwicklung für die Druckbranche auch, wenn wir uns die Entwicklungen in anderen Branchen ansehen. Nehmen wir als Beispiel die Tischler. Das standardisierte Produkt kaufe ich hier meist im Möbelhaus, aus industrieller, standardisierter Fertigung. Einen Schrank nach Maß lasse ich mir beim Tischler meines Vertrauens anfertigen – da weiß ich, dass ich ein Vielfaches zahle, aber das ist es mir wert.

Damit gibt es im Prinzip doch nur zwei Wege – überspitzt formuliert: Die Fertigung in großen Einheiten und der Vertrieb über das Internet. Oder die extreme Spezialisierung auf individualisierte Produkte und eine extrem hohe Beratungskompetenz.

An industrieller Fertigung und Lean Management führt aber so oder so kein Weg vorbei. Ein Verharren in gewerblicher Produktion wird sicher nicht zum Erfolg führen können.

Zum Weiterlesen:

Drupa Global Insights Report 

Die Now&Next Roadmap in die Zukunft

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