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Die Welt der Technologie und der Medien

Warnung! Für jede am Bildschirm gelesene E-Mail stirbt ein Baum!

Bäume (c) Christian Handler

Es ist mittlerweile eine weit verbreitete moderne Legende geworden, dass das Ausdrucken von E-Mails Bäume zerstören könnte. Das Lesen am Bildschirm soll aus mysteriösen Gründen besser für die Umwelt sein als das Drucken. Wenn man aber einigermaßen seriös den Kohlendioxid-Fußabdruck von Gedrucktem mit dem seiner elektronischen Konkurrenzen vergleicht, dann wird man sehen, dass die Auswirkungen auf die Umwelt durchaus ähnlich sind, ja in vielen Fällen sogar eher für das Papier sprechen.

Aber was steckt denn wirklich hinter dieser fast schon irrationalen Angst einiger Gruppen vor dem Ausdrucken?

Auf der einen Seite ist festzuhalten, dass Papier ein nachwachsender Rohstoff ist. Gerade in Europa wird seit Jahrhunderten mehr Holz angebaut als abgebaut wird (sonst hätten wir nämlich hier keine Wälder mehr). Beim Abholzen kommen – vereinfacht gesagt – die schönen Teile zu den Möbeltischlern und aus den Resten wird Papier erzeugt. Gütesiegel wie PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) und FSC (Forest Stewardship Council) stellen für Konsumenten sicher, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen stammt.

In weiterer Folge ist das Gedruckte unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit als langfristiger Datenträger in vielen Fällen der elektronischen Form sogar überlegen. Denn da die Speicherung auf Servern und der Zugriff über mobile Geräte laufend Strom benötigt – und das nicht zu knapp –, kippt die Treibhausgas-, Wasser- und Energiebilanz sehr schnell gegen elektronische Medien, und das umso mehr, je länger Information aufbewahrt werden soll. (Endgültige Beweise stehen deshalb aus, weil es zwar eine Norm für die Berechnung des Umweltfußabdrucks für Gedrucktes gibt, aber die für elektronische Medien erst in Arbeit ist).

Bitte verstehen Sie mich dabei nicht falsch: Ich nutze selbst für meine persönliche Organisation ein weitgehend papierloses Büro, aber eben primär aus Effizienzgründen, nicht aus Umweltschutzüberlegungen.

Hinter den irrationalen Druckverweigerungsaufforderungen rund um E-Mails steckt aus meiner Sicht eine nachvollziehbare gesellschaftliche Selbstkritik: Wir produzieren doch alle heute für den kurzfristigen Gebrauch völlig unnötige Informationen in Form von Texten, Bildern und Videos (Siehe: alles für die Wettitant). Einmal auf Facebook gepostet, von ein paar Freunden „geliked“, bleibt dieser Datenschrott für immer im Web und verbraucht laufend und unnötig die knappen Ressourcen unserer Erde. Symptomatisch für diese Entwicklung ist die Tatsache, dass ein Facebook-Account mit allen Eintragungen praktisch nicht mehr gelöscht werden kann. Die gleichen Argumente gelten in ähnlicher Form für die meisten anderen Web-Dienste.

Worüber jeder einzelne einmal wirkliche nachdenken sollte, ist der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen. Fotos können auch zum Beispiel  wieder gelöscht werden und müssen nicht für ewig aufbewahrt werden. Und anstatt jede E-Mail zweifelhaften Inhalts prinzipiell an jeden weiter zu schicken, ist es vielleicht besser, sich auf wesentliche Information zu konzentrieren und diese fokussiert und mit dem richtigen Medium weiter zu geben. Das spart mir und vielen anderen auch wertvolle Zeit.

Und da kommt wieder die Druckbranche ins Spiel: In der kostengünstigen Verbreitung, in der Informationsdichte pro verbrauchter Ressourcenmenge, da ist jede gut gestaltete Broschüre einer E-Mail bei weitem überlegen. Abgesehen davon, dass Gedrucktes beim Leser einen nachhaltig besseren Eindruck hinterlässt.

Und zu guter Letzt spricht auch am Ende der Gebrauchszeit einiges für das Medium Papier. Papier lässt sich hervorragend recyclieren und wieder nutzen. Sogar im schlimmsten Fall, wenn ich meine Zeitschrift im Wald einfach wegwerfe, wird das Papier verrotten und so von der Natur wieder genutzt werden können. Das elektronische Lesegerät hingegen ist gefährlicher Sondermüll.

Wenn Sie also wirklich etwas für die Umwelt tun wollen, drucken Sie diesen Artikel aus und schalten Sie Ihren Computer ab!

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Kategorien:Druckbranche, Glosse, Umwelt

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