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Entwicklungsphänomene in Dunklen Kulten

Anmerkung 2014

Der vorliegende Text entstand rund um 1987, während meiner Studienzeit. Er ist einerseits als Karikatur der typischen wissenschaftlichen Texte gerade im sozialwissenschaftlichen Bereich zu sehen, andererseits als Reflexion des in dieser Zeit von unserer Gruppe gespielten Rollenspiels „Midgard“. Aus meiner Sicht auch heute noch lohnenswert zu lesen.

Entwicklungsphänomene in Dunklen Kulten

Von Prof. Dipl.-Mag. Soren van Kreikebaum und Doz. Dipl.-Mag. Jan Chtrcyca

Zu den Autoren:

Van Kreikebaum ist Professor für Dunkle Kulte an der Akademie der Magischen Künste in Stockstein; Chtrcyca ist Dozent an ebendemselben Institut. Beide gelten als Vorreiter der phänomenologischen Erforschung Dunkler Kulte. Ihnen ist erstmals die empirische Forschung Dunkler Kulte zu verdanken. Besonders zu erwähnen ist die gemeinsame Arbeit zu dem auch in diesem Artikel angedeuteten situativen Ansatz der Persönlichkeitsentwicklung von Magiern.

Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit speziellen Phänomenen Dunkler Kulte, insbesondere mit der sogenannten Immobilisierung und dem Phänomen des Tödlichen Blutrausches Dunkler Priester. Der Vortrag zur vorliegenden Arbeit wurde anlässlich des Magischen Symposions 344 Xe. in Stockstein gehalten.

Einleitung

Die vorliegende Untersuchung beruht auf einer Fülle von empirischen Daten, die von uns in den Jahren 340 bis 342 im Rahmen einer Untersuchung über Dunkle Kulte gesammelt wurden.

Von besonderer Bedeutung, da in der Literatur bis dato selten vertreten, scheint uns eine Klärung, Beschreibung und Deutung spezieller Phänomene, insbesondere solcher, die in der Persönlichkeitsentwicklung Dunkler Magier Endpunkte darstellen können. Wir bezeichnen die beiden beobachteten Phänomene als das Immobilitätssyndrom und das Phänomen des Tödlichen Blutrausches bzw. das damit verwandte der Kultischen Selbstdestruktion (Die Begriffe wurden ursprünglich von Head verwendet. Wir verdanken ihm einen Großteil der heute üblichen Terminologie im Zusammenhang mit Dunklen Kulten (Vgl. dazu (Head 322) und insbesondere (Head 328)).

Zur geographischen und demographischen Position Dunkler Kulte

Vorab gilt es zu klären, ob und in wieweit geographische und demographische Gegebenheiten auf die Entstehung und die Ausprägungen Dunkler Kulte Einfluß nehmen können und in wieweit sie tatsächlich, also empirisch faßbar, Einfluß nehmen.

Eine demographische Nord-Süd-Variabilität Dunkler Kulte konnten wir in unseren empirischen Studien nicht nachweisen. Die sogenannte Nord-Süd-These (Zur Nord-Süd-These vgl. (Pender 334)) entbehrt unseres Erachtens nach jeder Grundlage und ist daher wohl als nicht signifikant zu verwerfen.

Anders sieht es nach den verfügbaren Daten mit demographischen Merkmalen aus:

Dunkle Kulte treten meist in Kulturen auf, die ursprünglicherweise vom Naturgottglauben beherrscht werden. Niedere Entwicklungsstufen der Kultur (Stein- bzw. Metall-Technologie) weisen signifikante Korrelationen mit Dunklen Kulten auf.

Das Auftreten Dunkler Kulte ist also offenbar nicht so sehr ein Ergebnis von geographische, sondern viel mehr eines von kulturellen Gegebenheiten.

Empirische Merkmale Dunkler Kulte

Typische Merkmale Dunkler Kulte sind im wesentlichen drei Aspekte:

  • Personifizierung der Dunklen Seite der Macht
  • Intensiver Einsatz von Magie und magischen Artefakten
  • Auftreten von Priesterkriegern in niederen Graden

Personifizierung der Dunklen Seite der Macht

Wie auch viele Lichte Kulte verfallen Dunkle Kulte immer wieder auf den (methodisch nicht begründbaren) Fehler, die Dunkle Seite der Macht zu personifizieren und als Dunkle Gottheit zu verehren.

Typisch in diesem Zusammenhang sind dementsprechende Auswirkungen wie Menschenopfer oder Selbstverstümmelungen, um die Dunkle Gottheit zu befriedigen.

Einsatz von Magie

Dunkle Kulte zeichnen sich durch einen hohen Grad nicht-personenorientierter Magie aus. Dazu gehören unter anderem:

  • Physikalische Beschwörungsrituale
  • Schwarze Augen der Finsternis zur Kanalisierung Dunkler Macht
  • Dunkle Schwerter der Macht

Alle diese Artefakte und Methoden werden von Dunklen Priestern verwendet, um die an sich vorhandene Möglichkeit, Magie einsetzen zu können, noch zu verstärken und zu intensivieren.

Auftreten von Priesterkriegern

Empirische Studien* zeigen, dass in Dunklen Kulten weit mehr als in anderen Bereichen des Magieeinsatzes eine spezielle Art von Priestern auftreten kann, die sich durch die Vereinigung von zwei Funktionen auf eine Person auszeichnet:

  • Die des Kriegers
  • Die des Priesters

Weit mehr, als das bei herkömmlichen Kriegerpriestern der Fall ist, ist hier die Verwendung von echten Schlagwaffen üblich. Das bedeutet, dass hier nicht nur Kampfstab und ähnliche Instrumente zum Einsatz kommen, sondern unter Umständen ein gesamtes Arsenal an Waffen, die vom Dolch über Schwerter bis zu Schusswaffen, wie Bogen oder Armbrust, reichen können. Die Art des Einsatzes und die kultische Beschränkung auf wenige Waffen ist von Kult zu Kult verschieden.

Diese Dualität und die damit verbundene diametrale Auseinandersetzung mit Persönlichkeitsstrukturen ist bei der Entwicklung Dunkler Priester zu berücksichtigen, da sich hier einige sehr forschenswerte Phänomene zeigen.

Zur Entwicklung von Priesterkriegern

Unsere neuesten Studien zeigen, dass die Entwicklung Dunkler Priesterkrieger in drei Stufen abläuft, wobei der Übergang von der zweiten zur dritten Stufe ein kritischer ist:

  • Phase des Priesterkriegers
  • Kritische Phase (Vgl. dazu (Head 328))
  • Phase des Hohe-Kriegers oder Hohe-Priesters

Es hat sich gezeigt, dass der erfolgreiche Übergang von der zweiten zur dritten Phase meist mit einem Schlüsselerlebnis verbunden ist. Das kann die Erlangung eines Schwarzen Schwertes oder die direkte Berührung mit Hoher Magie sein.

Wesentlich für das Verständnis scheint, die einzelnen Phasen zunächst zu skizzieren:

Phase des Priesterkriegers

Temporär ist es für einen Priesterkrieger möglich, insbesondere wenn er sich noch in niederen bis mittleren Graden der Persönlichkeitsbildung befindet, Priester und Krieger zu vereinigen (McRogo bezeichnet die Verwendung von Heilzaubern durch Krieger spöttisch als Dottore-Syndrom, was andererseits auch wiederum nur das Problem der Unvereinbarkeit der beiden Funktionen zeigt. In: (McRogo 326)). Diese Phase läuft bis etwa zum sechsten Grad. Mit höheren Weihen ist üblicherweise der Übergang zur Kritischen Phase verbunden.

Kritische Phase

Die kritische Phase beginnt, wenn der Priesterkrieger in seinen Fähigkeiten so weit fortgeschritten ist, dass die Kanalisierung der Dunklen Macht seinem Geist entgleitet.

Nach Head (Head 322) unterscheiden wir zwei Phänomene:

  • Das Phänomen der Immobilität
  • Das Phänomen des Blutrausches mit damit verbundener Kultischer Selbstzerstörung

Die Immobilität ist als komplette Vergeistigung mit damit verbundenem Verlust der Eigenständigkeit verbunden. Der Geist des Priesters wird von der Macht übernommen. Der Priester verliert seine Fähigkeit zu sozialen Kontakten. Bei fast allen Fällen zeigte sich unter solchen Voraussetzungen ein fortschreitender Verfall des Körpers.

Der Priester verliert also sich selbst und wird immobil. Das Endstadium der Immobilität zeigt sich als Auftreten eines Dunklen Steines.

Das Phänomen des Blutrausches ist, wenn wir das soeben geschilderte Phänomen als geistiges erklären wollen, die kriegerische Auswirkung einer totalen Übernahme durch die Macht. Der Priesterkrieger hat das Bedürfnis, alle anderen Personen zu zerstören, inklusive seiner früheren Mitpriester oder anderer, ihm nahestehender Personen. Sind alle Personen im erreichbaren Umkreis getötet, bleibt als letztes Mittel nur mehr die Zerstörung der eigenen Person in einer Kultischen Selbstzerstörung, einer Kultischen Autodestruktion.

Phase des Hohe-Kriegers oder Hohe-Priesters

Wie schon angedeutet, dürfte der erfolgreiche Übergang von der zweiten, kritischen in die dritte Phase vom Auftreten eines Schlüsselereignisses geprägt sein.

Typisch für die dritte Phase ist die freiwillige Kanalisierung der Macht auf ein Gebiet. Das kann sich nun in zwei Varianten ausdrücken:

  • Dunkler Magier und Hohe-Priester
  • Dunkler Krieger und Hohe-Krieger

Ein Dunkler Magier kanalisiert die Dunklen Kräfte auf die Magie-Begabung. Er zerstört in einer Kulthandlung seine Waffen und entgeht so dem Tödlichen Blutrausch.

Ein Dunkler Krieger kanalisiert die Kräfte auf seine Kampferfahrung. Er löscht seine aktive magische Begabung (Zaubersprüche) zugunsten einer passiven Kanalisierung in seine Waffenfertigkeiten; es wird ihm dadurch möglich, sämtliche Waffen und insbesondere Waffen höheren Grades (z. B. Dunkle Schwerter der Macht mit + 3 Erfolgsbonus) zu fuhren.

Welcher Weg von den einzelnen Priesterkrieger dabei eingeschlagen wird und welche Gegebenheiten zu diesen Wegen führen, ist bislang noch nicht erforscht worden.

Die einzige relative sichere Erkenntnis stammt von McRogo (McRogo 326): Egoismus (der unserer Meinung nach wohl als Ausdruck eines stärkeren Charakters zu werten ist) korreliert positiv mit dem Überleben in der zweiten, kritischen Phase. Starke Persönlichkeiten durften fähig sein, sich für eine der gezeigten Alternativen entscheiden zu können, ohne von der Macht auf gesaugt zu werden.

Conclusio

Wir mussten uns beim derzeitigen Stand der Erklärungsmodelle größtenteils auf noch nicht theoriegestützte deskriptive Beschreibung der Phänomene beschränken. Zu einem echten Erklärungsmodell reicht die verfügbare empirische Datenbasis bei weitem noch nicht aus.

Es ist allerdings anzunehmen, dass mit fortschreitender Erfassung der Phänomene auch das Erklärungspotential steigt. In diesem Sinne erwarten wir, die noch vorhandene Theorielosigkeit in kurzer Zeit überwunden zu haben.

Literatur

(Head 322): Head R.: Dunkle Kulte. Eine Einführung in die Phänomenologie; Roigna 322

(Head 328): Head R.: Zur Funktion des Priesters in Dunklen Kulten; Roigna 328

(McRogo 326): McRogo C.: Heilen oder kämpfen? Zum Zwiespalt des Priesterkriegers; in Magical Review, 2/326, S 46 ff.

(Pender 334): Pender P. C.: Geographische Auswirkungen auf die Entstehung von Kulten; Xumr, 334

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Kategorien:Leben, Unterhaltung

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