Der Filter

Die Welt der Technologie und der Medien

Wo sind die „Blue Oceans“ für die Druckindustrie?

Der blaue Ozean zeigt einen unberührten Markt. [Foto: Handler]

Der blaue Ozean zeigt einen unberührten Markt. [Foto: Handler]

Aus Sicht der Managementmethode „Blue Ocean Strategy“ leben wir in der Druckbranche in einem klassischen „Roten Ozean“. Der Markt für das Bedrucken von Papier ist begrenzt und wird wohl kaum wachsen. Dadurch kommt es zu heftigen Konkurrenzkämpfen. Alle bieten ähnliche Produkte und ähnliche Services an. Der Verdrängungswettbewerb fordert seine Opfer, deren „Blut“ den Ozean sinnbildlich rot färbt.

Aus strategischer Sicht – so die Theorie – sollte man in solchen Situationen an der Suche nach einem „Blauen Ozean“ arbeiten, neue Märkte finden, in denen ohne nennenswerte Konkurrenz innovative Produkte mit Nutzen für den Kunden angeboten werden. Ein solcher „Blauer Ozean“ (Blue Oceans) ist ein unberührter Markt oder Industriezweig, der wenig oder gar keinen Wettbewerb aufweist.

Die Methode der Blue Ocean Strategy basiert auf den Erkenntnissen von W. Chan Kim und Renée Mauborgne von der INSEAD Business School in (Fountainbleau, Singapur, Abu Dhabi) und wurde zu einem Buch verarbeitet. Die Autoren zeigen darin eine Reihe von Beispielen, in denen Unternehmen erfolgreich neue oder ungenutzte Teilmärkte gefunden haben und dort – wegen fehlender Konkurrenz – hervorragende Erfolge feiern konnten. Im Buch werden auch etliche typische Teilschritte erläutert, wie die Strategie entwickelt werden kann: der wichtigste Aspekt der Methode ist wohl, dass es einfacher ist, der Konkurrenz auszuweichen, als sie in einem stagnierenden Markt zu schlagen.

Auch in der Geschichte der Druckbranche gab es immer wieder einige solcher „Ozeane“ – neue unberührte Märkte – die von Unternehmen genutzt wurden.

Der Verpackungsdruck, Veredelungen oder die Erweiterung der Druckerei um Agentur- oder Logistikdienstleistungen waren beispielsweise erfolgreiche Strategien der Vergangenheit. Nicht zuletzt haben auch die ersten Vertreter von Offsetdruckmaschinen Märkte gesehen und genutzt, die ihren Kollegen und Kolleginnen im Buchdruck für immer verschlossen blieben.

In jüngster Zeit zeigten Unternehmen, dass ein großer Bedarf an Gedrucktem auf anderen Materialien als Papier bestand. Der Erfolg des Large-Format-Digitaldrucks in den letzten Jahren ist ebenfalls ein großartiges Beispiel für das Entdecken eines riesigen „Blauen Ozeans“.

Natürlich führt eine solche Ex-post-Analyse immer zum richtigen Ergebnis (denn nachher sind wir immer gescheiter). Aber gleichzeitig zeigt sie doch, dass in der Druckbranche immer wieder Potenzial für neue Märkte liegt.

Den „Blauen Ozean“ wird jeder für sich selbst finden müssen, technologische Anregungen gibt es derzeit aber mehr als genug – denken Sie nur an 3D-Druck oder gedruckte Elektronik. Auch in der Vermarktung von Gedrucktem über das Internet gibt es noch viele ungenutzte Chancen und Marktnischen. Natürlich haben viele dieser Technologien mit dem oben beschriebenem klassischen Druck nicht mehr viel gemein. Doch das haben wohl die Bleisetzer wohl auch über den Offsetdruck gesagt.

Als Anregung zur Strategieentwicklung sei hier also das Buch „Blue Ocean Strategy“ von W. Chan Kim und Renée Mauborgne empfohlen – es macht Mut, sich auf die Suche nach neuen Märkten zu machen. Bei der konkreten Umsetzung könnte der Strategietag des bayerischen Verbandes helfen, der heuer am 5. Juni stattfinden wird.

Zum Buch „Blue Ocean Strategy“ bei Amazon

Zum Strategietag des bayerischen Verbandes

Advertisements

Kategorien:Betriebswirtschaft

Schlagwörter:, , , , , , ,