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Buch-Tipp: Hört auf zu heulen

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Bild: www.edition-a.at
Christian Ortner, bekannt als Autor und Kolumnist der Tageszeitungen „Die Presse“ und „Wiener Zeitung“, ehemaliger Redakteur und Herausgeber einiger namhafter Magazine in Österreich, holt in seinem neuen Buch gewaltig aus – keine heilige Kuh der modernen Gesellschaft bleibt dabei verschont.
Zunächst lässt Ortner anhand von vielen Beispielen, die jeder Österreicher wohl mit eigenen ergänzen kann, die Schwächen des modernen Sozialstaates rasant Revue passieren. Dass durch einen hohen Mindestlohn Arbeitslosigkeit gefördert wird, obwohl das Gegenteil erzielt werden sollte. Dass durch den Schutz von älteren Arbeitskräften ebendiese aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden. Er zeigt die prinzipielle Unfähigkeit der europäischen Staaten beim Sparen und dass der Bevölkerung aus Sorge um die nächste Wahl niemals reiner Wein eingeschenkt wird.
Weiter geht es mit einem Rundumschlag gegen Entwicklungshilfe, Umweltaktivitäten und Kunstförderung. Schlussendlich landet er bei der „verhätschelten“ europäischen Jugend, die im internationalen Wettbewerb gegen die gestählten „Tiger“-Kinder Südostasiens auf dem Weltmarkt antreten muss – und nur verlieren kann.
Sein Ergebnis: Europa hat Nachteile im globalen Wettbewerb. Die Grundlage aller dieser unangenehmen Erscheinungen ist aus Ortners Sicht die „Weinerlichkeit“, die er dann mit den Worten im Titel des Buchs bekämpfen möchte: „Hört auf zu heulen!“.
Nun sind die Beispiele, die Ortner für sein Buch gewählt hat, auf der einen Seite natürlich völlig richtig, auf der anderen Seite wohl ebenso in eine Richtung lenkend ausgewählt. Das Buch beleuchtet im „Fast-Forward-Modus“ alle Bereiche schlaglichtartig. Das macht es gut und flüssig zu lesen. Hintergrundinformationen wird sich die Leserin selbst suchen müssen. Und das ist wohl der Haupt-Vorteil von Ortners „bekannt gekonnter“ Polemik, die laufend an der politischen Unkorrektheit dahinschrammt: Es provoziert die Leserschaft, es zwingt förmlich zum Widerstand und damit zum Nachdenken über Methode und Inhalt. Nichts Besseres kann einem Autor wohl passieren, als dass sein Werk hinterfragt wird, über seinen Text gesprochen, diskutiert und gestritten wird.
Mit einem Wort: Ein ideales neoliberales Weihnachtsgeschenk für alle UnternehmerInnen und ihre BetriebsrätInnen!
Christian Ortner
Hört auf zu heulen!
144 Seiten, Hardcover, 18,8 x 13 cm, 16,95 Euro, erschienen bei Edition-a
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Kategorien:Betriebswirtschaft, Rezension

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