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Buch-Tipp: Agiles Publishing

agilespublishing

Bild: Kastner-Verlag

Meine Reaktion beim ersten Durchblättern: Endlich jemand, der moderne Projektmanagement-Methoden in die Kreativ-Branche bringt.

Denn was für EDV-Unternehmen Standard ist, muss in der gesamten grafischen Branche wohl noch Fuß fassen: Modernes Projektmanagement arbeitet aufgrund der Komplexität und des extremen Zeitdrucks nicht mehr linear und in vorbestimmten Bahnen (in der Druckerei: Auftragsbearbeitung, Datenübernahme, Formproof, Plattenherstellung, Druck, Endfertigung), sondern agil: es erlaubt einfach und schmerzfrei Änderungen der Spezifikation während des Prozesses.

Ein linearer Prozess hat seine Schwierigkeiten mit solchen unvorhergesehenen Änderungen, die tägliches Brot für die Branche sind. Was ist, wenn es dem Verkäufer gelingt, den Kunden doch noch vom schönen, ungestrichenen Naturpapier zu überzeugen? Obwohl der Kunde schon bestellt hat und die Produktion schon auf gestrichenes Papier eingeschossen ist? Und die Platten fast schon belichtet sind? Eine solche Situation kann schon mal eine ganze Druckerei durcheinanderwirbeln und zu Mehraufwand, Verstimmungen und im schlimmsten Fall zu Fehllieferungen führen.

Genau in solchen Situationen greifen die Methoden für modernes Projektmanagement. Sie können hervorragend mit laufend wechselnden Rahmenbedingungen umgehen. Egal ob die Methode nun „Kanban“ oder „Scrum“ heißt, im Prinzip arbeiten moderne Methoden immer mit intensiver Visualisierung, mit klaren und einfachen Regeln und dem aktiven Ansprechen von Problemen. Ich glaube: Von diesen Methoden können wir in der grafischen Branche noch viel lernen.

Das Buch „Agiles Publishing“ zeigt anhand von handfesten konkreten Übersichten, Beispielen und Arbeitsblättern, wie sich solche neuen Wege für Publishing – Print, Web oder Apps – umsetzen lassen. Es liefert einen wirklich guten Überblick über die Thematik und macht Lust, die Methoden selbst einmal auszuprobieren.

In einer Hinsicht muss ich den Autoren allerdings widersprechen: Sie sehen die Druckbranche noch als den „unverbesserlichen Wasserfall“. Für sie ist die Druckerei derjenige Teil der Kreativbranche, bei dem die dargestellten agilen Methoden nie funktionieren werden (siehe S. 86).

Ich denke aber, dass gerade in Druckereien die dargestellten agilen Methoden gut angewandt werden können. Und deshalb glaube ich, dass es auch der Druckbranche gut tut, sich mit dem Buch „Agiles Publishing“ intensiv zu beschäftigen. Auch wenn im Buch konkrete Druckerei-Beispiele fehlen, finden sich doch genug Anregungen, um agiles Projektmanagement auch in der Druckerei in die Praxis umzusetzen.

Und bei der nächsten Papieränderung während der Produktion muss man dann nicht mehr hilflos seufzen, sondern kann die Flexibilität des Betriebes für die Kundenbindung  nutzen!

Detlev Hagemann, Georg Obermayr, Matthias Günther
Agiles Publishing
2013, 400 Seiten, 21,6 x 28 cm, rund 40 Euro, Kastner-Verlag

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