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Die Kostenrechnung – dein Freund und Helfer!

Der Verband Druck & Medientechnik Österreich hat 2013 eine Platzkostenrechnung für Druckereien vorgestellt, die als Anleitung dienen soll, wie eine Kostenrechnung in einer Druckerei typischerweise funktionieren kann. Die vorgestellten beispielhaften Stundensätze sollen Druckereien anleiten, ihre eigenen Stundensätze auf Basis ihrer eigenen Kosten zu berechnen und so für sich eine größere Transparenz zu erhalten.

Warum eine Vollkostenrechnung?

Eine Vollkostenrechnung wird immer der erste und einfachste Schritt einer Kostenrechnung sein. Es werden pro Kostenstelle die Gesamtkosten pro Jahr ermittelt und durch die Anzahl der verkaufbaren Stunden dividiert. So erhält man die durchschnittlichen Kosten pro Stunde.

Dazu ein einfaches Beispiel: Wenn Sie bei einer Kostenrechnung 200.000 Euro an Kosten im Jahr ermitteln und 2.000 verkaufbare Stunden haben, so werden Sie die 2.000 Stunden um durchschnittlich 100 Euro pro Stunden verkaufen müssen, um alle Kosten abzudecken und keinen Verlust (aber auch keinen Gewinn) zu machen.

Haben Kosten und Preise etwas miteinander zu tun?

Kritiker der Vollkostenrechnung werfen immer wieder vor, dass die so ermittelten Kosten mit den am Markt erzielbaren Preisen nichts zu tun haben. Das ist zunächst richtig, denn die Preise bestimmt letztendlich der Markt. Die Kunst besteht zunächst darin, mit den Kosten unter den am Markt erzielbaren Preise zu gelangen, um Gewinn zu erzielen.

Was kann man tun, wenn man erkennt, dass die Kosten im Durchschnitt über den am Markt erzielbaren Preisen liegen? Hier gibt es mehrere Ansätze.

Eine Möglichkeit ist, durch innerbetriebliche Rationalisierung in der Kostenstelle Kosten einzusparen und damit die Stundensätze zu reduzieren. Wenn Sie im oben angeführten Beispiel Ihre Kosten auf 180.000 Euro reduzieren können, so wird der Stundensatz auf 90 Euro sinken.

Eine andere, in der Praxis meist zielführendere Vorgangsweise ist, die Anzahl der verkaufbaren Stunden zu erhöhen. Werden im oben gezeigten Beispiel durch Reduktion der Hilfszeiten (also der unproduktiven Stunden – z. B. Warten auf Druckplatten, Rückfragen) die Hilfzeiten reduziert und stehen beispielsweise statt 2.000 dann 2.200 verkaufbare Stunden zur Verfügung, so sinkt durch diese Maßnahme der Stundensatz auf 90,91 Euro pro Stunde.

Die dritte Möglichkeit besteht in der Rationalisierung der einzelnen Vorgänge. Wenn ein Auftrag 3 Stunden zu 100 Euro benötigt und ist es möglich, durch innerbetriebliche Rationalisierung und Automatisierung der Fertigung mit 2,5 Stunden auszukommen, so sinken die Kosten für diesen Auftrag von 300 auf 250 Euro.

Schwierig wird es, wenn es prinzipiell nicht möglich ist, die errechneten Kosten unter die am Markt erzielbaren Preise zu senken. Dann wird man sich die Frage stellen müssen, ob nicht einzelne Kostenstellen oder ganze Betriebsteile unwirtschaftlich sind und möglicherweise stillgelegt werden müssen.

Wann ist eine Teilkostenrechnung sinnvoll?

Preise sind in manchen Fällen saisonalen Schwankungen unterworfen. Wenn in unserem Beispiel der Markt in der Hochsaison 200 Euro pro Stunde „hergibt“ und in der toten Saison nur 80 Euro, so wäre ein Anbieten um 100 Euro nicht sinnvoll: In der Hochsaison verkaufen Sie zu billig und in der toten Saison werden Sie um 100 Euro pro Stunde gar nichts verkaufen.

In einem solchen Fall kann es sinnvoll sein, während der der Hochsaison teurer und ansonsten billiger anzubieten, um auf der einen Seite eine dauernde Auslastung sicherzustellen und auf der anderen Seite in Summe um mehr als die durchschnittlichen Vollkosten zu verkaufen.

Hier hilft eine Teilkostenrechnung: Die Kosten werden in fixe und variable Kosten aufgeteilt. In jedem Fall müssen die variablen Kosten des Auftrags hereingebracht werden (das sind in jedem Fall die Einzelkosten wie Papier, Fremdarbeit, Transportkosten; aber auch ein Teil des Stundensatzes, nämlich der, der nicht in Anspruch genommen wird, wenn die Maschine stillsteht, also Strom, Wartung, ein Teil der Abschreibung). Diese variablen Kosten sind also die „kurzfristige Preisuntergrenze“, alles was über die variablen Kosten an Preis erzielt werden kann, bringt dem Unternehmen einen sogenannten „Deckungsbeitrag“, also Geld, das zur Abdeckung der Fixkosten verwendet werden kann.

Wesentlich ist natürlich, dass über das gesamte Jahr betrachtet die gesamt erzielten Deckungsbeiträge höher sind als die fixen Kosten, denn sonst erzielt man wiederum keinen Gewinn.

In Situationen mit einer schlechten Auslastung wird die unternehmerische Entscheidung also lauten: Bevor die Maschine ganz still steht – und die fixen Kosten auf jeden Fall anfallen – ist es besser, einen Preis zu erzielen, der über den variablen Kosten liegt. als gar keinen Deckungsbeitrag zu erzielen.

Die „Eh-da-A-da“-Kalkulation

Gefährlich wird es aber, wenn diese Art der Kalkulation zur Gewohnheit wird. Wenn die Argumentation bei jedem Auftrag lautet: Die Maschinenkosten sind „eh da“ und die Leute sind „auch da“, also alles, was über dem Papierpreis liegt ist besser wie stillstehen, so werden wohl über das Jahr zu wenig Deckungsbeiträge erzielt werden können und ein Verlust ist unausweichlich.

Eine solche Teilkostenrechnung und damit eine Preisreduktion auf einen Wert unter den Vollkosten macht also im Einzelfall oder in bestimmten Produktionssituationen dann Sinn, wenn im Gegenzug in anderen Saisonen höhere Preise erzielt werden können und so in Summe ausreichend Deckungsbeiträge zur Abdeckung der Fixkosten erwirtschaftet werden können.

Zusammenfassung

Die Teilkostenrechnung ist also ein wertvolles Hilfsmittel, um seine kurzfristige Preisuntergrenze zu ermitteln und auf unterschiedlichen Auslastungssituationen flexibel reagieren zu können. Langfristig müssen allerdings die Preise über den durchschnittlichen Vollkosten liegen, um Gewinne erzielen zu können.

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Kategorien:Betriebswirtschaft

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  1. Was für Literatur empfehlen Sie bzgl. Kostenstellenrechnung im grafischen Gewerbe?

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