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Wettbewerbsvorteil Nachhaltigkeit

Eine nähere Betrachtung zeigt, dass vor allem auf einer handfesten betriebswirtschaftlichen Ebene durch nachhaltiges Managen unter einem längerfristigen Kosten-Nutzen-Aspekt Vorteile erzielt werden können.

Der Markt gewinnt immer

Glauben wir an das moderne neoklassische Wirtschaftsmodell der Volkswirtschaft, so entsteht durch maximales Marktverhalten gleichzeitig maximaler Nutzen für alle. Nicht umsonst meidet die EU jede Art von Monopol oder Oligopol wie den Leibhaftigen; nur bei völlig offenen Märkten gewinnt jeder durch bessere Preise und die sogenannte automatisch einsetzende „optimale Ressourcenallokation“.

Wenn wir dieser volkswirtschaftlichen Theorie folgen, dann ist es für die Gesellschaft längerfristig „günstiger“, wenn alle Ressourcen, also Wald als Basis für Holz und Papier, Luft, Wasser, Öl und vieles mehr so genutzt werden, dass sie uns auch langfristig erhalten bleiben. Warum tun wir es dann nicht freiwillig?

Marktversagen

Nachhaltigkeit ist zunächst einfach das Gegenteil von „urassen“ (*Urassen: verschwenden. Von ahd. „urazi“ = „zu viel zum Essen“). Betrachten wir unsere persönliche Welt aus der persönlichen Perspektive, dann können wir in vielen Fällen ungestraft unsere Möglichkeiten verschwenden und damit kurzfristig erfolgreicher sein. Volkswirtschaftlich gesehen, hat die Verschwendung keinen konkreten „Preis“. Die Volkswirtschafter nennen dieses Phänomen „Marktversagen“. Dadurch dass wir nur an uns denken (ein an sich legitimes menschliches Verhalten), und dabei aus kurzfristigen Nutzenüberlegungen die langfristig besser Alternative übersehen, erzeugen wir ein volkswirtschaftliches Gleichgewicht, das vom Optimum entfernt ist.

In der Praxis zeigt sich das dadurch, dass das „moralische Fehlverhalten“ nicht sofort geahndet wird. Wenn die KonsumentIn das Kaugummipapier achtlos wegwirft, die Zigarette aus dem fahrenden Auto kippt, den Hund irgendwo am Gehsteig sein „business“ verrichten lässt, dann entstehen der KonsumentIn dadurch kurzfristig gesehen keine direkten Kosten; dass der Gesellschaft durch dieses Verhalten Kosten entstehen und dadurch im Umweg über Steuern und Gebühren wieder der KonsumentIn selbst, diese Tatsache ist der KonsumentIn egal, weil der Zusammenhang nicht kurzfristig nachvollziehbar ist.

Dieses Phänomen bezeichnet der Volkswirt als Marktversagen und es wird gefordert, dass in solchen Fällen der Staat eingreifen sollte, um den Konsumenten oder den Unternehmer durch Steuern oder Gebühren auf unkluges Verhalten zu bestrafen und ihn so dazu zu bringen, nachhaltig zu denken, einzukaufen – Ressourcen also nachhaltig zu nutzen und nicht zu verschwenden.

In der heutigen Praxis hat sich gezeigt, dass diese Methoden nur in geringem Ausmaß zum gewünschten Erfolg führen. Politiker wie Manager sind angehalten, „kurzfristig“ zu denken und damit mit den vorhandenen Gegebenheiten zu „urassen“.

Ist Nachhaltigkeit eine unlösbare Aufgabenstellung?

In der direkten Betrachtung der betriebswirtschaftlichen Praxis zeigt sich im Gegensatz zum Konsumentenverhalten eine Reihe von Bereichen, wo durch eine langfristige – also nachhaltige – Sichtweise Vorteile gegenüber der kurzfristigen Betrachtungsweise erzielt werden.

Kunde & Verkauf

Die Entwicklung langfristiger Kundenbeziehungen, die auf Basis von gegenseitiger Wertschätzung funktionieren, kann als nachhaltiges Wirtschaften im Bereich Verkauf gesehen werden. Nur Unternehmen, die zum Partner des Kunden werden und die Bedürfnisse des Kunden verstehen, können heute noch erfolgreich sein. Das bedeutet zunächst natürlich Zeit und damit Kosten, die man für den Kunden investiert; das heißt ebenso, dass manchmal auf den kurzfristigen Nutzen verzichtet wird, um den Kunden langfristig zu erhalten.

In diesem Zusammenhang zeigt sich auch, dass sich längerfristig der Preis als einziges Einkaufsargument nicht durchsetzen kann. Geiz ist zwar kurzfristig geil, zahlt sich aber längerfristig nicht aus. Eine Lieferantenbeziehung, die längerfristig mehr Nutzen bringt, ist besser als eine, die kurzfristig „billig“ einkauft. Es ist Aufgabe des Verkäufers, diese Tatsache dem Kunden immer wieder begreiflich zu machen.

Personal & Ausbildung

Auf der menschlichen Ebene ist nachhaltiges Denken ein wichtiger Managementfaktor.

Auf der einen Seite erleben wir bei Menschen das Phänomen des „Burn-outs“; durch laufende Überforderung brennt der Mensch aus und wird antriebslos.

Auf der anderen Seite erleben wir, was passiert, wenn Mitarbeiter durch Zeitablauf – ohne sich selbst weiterzuentwickeln –  so viel verdienen, dass sie für den Betrieb plötzlich zu teuer werden und gegen jüngere Arbeitskräfte ersetzt werden müssen.

Als langfristiger Nachteil für den Betrieb ergibt sich dadurch natürlich, dass die Erfahrungen des jeweiligen Mitarbeiters nicht mehr genutzt werden können. Hier bewährt sich eine nachhaltige Personalpolitik, die die Mitarbeiter nicht „verheizt“, sondern sie laufend begleitet, um sie nicht nur kurzfristig „nutzen“ zu können. Die laufende Ausbildung ist dabei ein wichtiger Faktor in einer nachhaltigen Sichtweise der Personalpolitik.

Schwierigkeiten entstehen hier gar nicht so sehr im Bereich der Mitarbeiter und des Unternehmens. Es ist eher die Pensions- und Arbeitszeitgesetzgebung, die wirklich kreativen und für beide Seiten sinnvollen Konstruktionen im Bereich der Arbeitszeitgestaltung und der längerfristigen nachhaltigen Personalpolitik einen Riegel vorschiebt.

Material & Qualität

Der Ruf nach einer optimalen Nutzung der Rohstoffe kommt direkt aus der betriebswirtschaftlichen Sichtweise. Jede Reklamation ist eine Verschwendung von Zeit, Geld, Nerven und Material. Und jede Reklamation kann verhindert werden, wenn vor dem Auftrag ausreichend Zeit in das intelligente Durchdenken investiert wird. Standardisierte Abläufe und eine dokumentierte Qualität erscheinen zunächst als Mehrarbeit – sie sind es auch, aber im Sinne von sinnvoll investierter Zeit – längerfristig gesehen rechnet sich standardisiertes Arbeiten durch geringere Reklamationen.

Investitionen

Es zeigt sich immer wieder, dass Unternehmer, die bewusst nachhaltig arbeiten, auch erfolgreich sind. Ein intelligent gebautes Betriebsgebäude, das zunächst mehr gekostet hat, aber im laufenden Betrieb weniger Energie benötigt, rentiert sich in einigen Jahren. Und der Unternehmer, der entgegen der heute vorherrschenden „kurzfristig“ denkenden Methode plötzlich „nachhaltig“ und damit langfristig gedacht hat, erarbeitet einen konkreten wirtschaftlichen Vorteil in einer überschaubaren Zeit.

Zusammenfassung

Wenn man von der kurzfristigen Betrachtungsweise abrückt, zeigt sich schnell, dass nachhaltiges Wirtschaften konkrete Vorteile gegenüber kurzfristigen Überlegungen hat.

Der nachhaltige Ansatz ist also nicht nur etwas für den „Öko-Freak“, sondern ein Grundinstrument für den verantwortungsvollen Betriebswirt, der sein Unternehmen längerfristig erfolgreich halten will.

Dieser Text erschien ursprünglich in der Herbstausgabe des Magazins „Das österreichische Grafische Gewerbe“ im Jahr 2005.

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Kategorien:Betriebswirtschaft, Leben, Umwelt

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  1. ich bin Betriebswirtin und kann nur sagen, dass Nachhaltigkeit für ein Unternehmen ebenfalls sehr wichtig ist!

    Gruß
    Katrin von Patentanwalt München

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